»Werd' ich Sie nicht kennen, gnädigste Frau Gräfin!« sagte der alte Mann, indem er auf sie zuging und die ihm gereichte Hand ergriff und küßte. »Ihr lieber Blick tut meinen alten Augen wohl und bringt die alte, langverflossene Zeit wieder lebendig herauf. – Aber – wie ist mir denn?« setzte er hinzu, und wieder fiel sein Blick von Wolf auf Georg, »so hatte ich es mir eigentlich wohl oft gedacht, aber...«

»Was habt Ihr Euch gedacht?«

»O, nichts, gnädigste Frau Gräfin!« rief der Alte bestürzt, »nur alberne Gedanken von mir, wie es mir oft geschieht, daß ich die Jahre verwechsele und mich manchmal um ein Menschenalter dabei verrechne. Halten Sie es mir zugute.«

»Wir ziehen nach Ungarn, Barthold,« sagte Wolf, »hättet Ihr Lust, Schildheim zu lassen und uns zu begleiten?«

»Nach Ungarn – so? Es soll ein schönes, reiches Land sein, mit prächtigen Wäldern und weiten Steppen, wie ich oft gehört – aber daheim – ich habe so viele alte Bekannte in meinem Walde stehen, daß sich das Herz wohl schwer von ihnen losreißen würde. Wenn der Herr Graf aber befehlen...«

»Von Befehlen ist keine Rede, Barthold,« sagte Wolf, »es müßte Euer freie Wille sein.«

»Wollt Ihr nicht mit mir gehen, Franz?« sagte Georg, ihn ruhig und lächelnd ansehend.

»Franz?« rief der alte Mann fast erschreckt, indem er den Redenden groß ansah, »Franz? lieber Gott, so hat mich nur einer genannt, vor vielen, langen Jahren, und der...«

»Den kennt Ihr nicht mehr oder wollt ihn nicht mehr kennen?« fragte Georg gerührt.

»Den will ich nicht mehr kennen?« rief Barthold, bestürzt die Hände faltend, »großer Gott, wie ist mir denn? – die Frau Gräfin hier und der Herr Graf und Sie – wie zwei junge Eichen von demselben Stamme!«