»Dann möchte ich den mir vergönnten Augenblick zugleich benutzen, mich Ihnen – auf längere Zeit – zu empfehlen.«
»Sie wollen wieder auf Urlaub gehen?« sagte Melanie, und ein einziges wehes Gefühl ergriff ihr Herz.
»Dieses Mal nicht,« sagte Graf Geyerstein ruhig, »der Zweck meines Besuches bei Seiner Exzellenz ist, ihn darum zu bitten, mein Entlassungsgesuch aus ***schen Diensten bei dem Fürsten zu befürworten. Ich habe im Sinne, den Dienst für immer zu quittieren.«
»In der Tat?« sagte Melanie ruhig, »um sich auf Ihre Güter zurückzuziehen?«
»Ja, Komtesse – mit meiner Mutter. Die Gräfin Geyerstein hat mich heute morgen durch ihre Ankunft überrascht. Ich habe eine Besitzung in Ungarn gekauft, die ich selber zu bewirtschaften gedenke.«
»Mit Ihrer Mutter?« rief Melanie erstaunt.
»Finden Sie das so außerordentlich, Komtesse? Wir haben so lange getrennt gelebt, daß wir beide das Bedürfnis fühlen, von jetzt an einander näher zu stehen. – Meine Familie wird von da an auch das einzige sein, auf das ich angewiesen bleibe.«
Melanie neigte leise das Haupt, erwiderte aber nichts. Sollte die alte, stolze Gräfin Geyerstein ein solches Verhältnis billigen können? Sollte sich der Graf selber so weit vergessen, jener – Frau die Hand zu reichen? Die Gedanken tauchten in ihr auf, ohne daß sie sich selber Rechenschaft zu geben wußte. Das Gespräch überhaupt wurde ihr peinlich – sie wünschte, daß ihr Vater zurückkomme, und mehr um die drückend werdende Stille zu unterbrechen, als eine Antwort zu erhalten, sagte sie nach einer Pause: »Sie hatten noch ein anderes Gut, wenn ich nicht irre, Schildheim?«
»Allerdings, Komtesse.«
»Es soll reizend gelegen sein.«