»Ein neues Rätsel,« rief der Staatsrat, »und die ganze Stadt behauptete, es sei einzig und allein Ihr Werk gewesen.«

»Dann tut mir die ganze Stadt zu viel Ehre an,« erwiderte Fräulein von Zahbern kalt. »Melanie hat den Grafen Geyerstein nur genommen, weil sie sich Hoffnungen auf Selikoff gemacht hatte und diese zuletzt doch wohl nicht haltbar fand. Sie mochte nicht als alte Jungfer sterben.«

»Sehr vernünftig von der jungen Dame,« bemerkte der Staatsrat mit einem bedenklichen Blick auf Fräulein von Zahbern, der aber von dieser glücklicherweise nicht bemerkt wurde.

»Apropos, Selikoff,« sagte von Silberglanz, der bei der neuen Wendung des Gespräches eine Last von seinem Herzen gewälzt fühlte. »Als ich damals abreiste, hieß es ja, daß er nur nach Petersburg ginge, um einige Geschäfte zu ordnen.«

»Das hieß damals so,« sagte Frau von Zädnitz, »seit sich die Sachen hier aber so geändert haben, wird er schwerlich wiederkehren.«

»Gnädige Frau möchten sich darin doch vielleicht irren,« erwiderte Fräulein von Zahbern, und ein eigener triumphierender Blick schoß dabei nach dem Baron Silberglanz hinüber, von dem er jedoch total abprallte. »Ich weiß aus ganz sicherer Quelle, daß Melanie von Ralphen keinen Einfluß auf sein Herkommen oder Wegbleiben hat, und daß er also, trotz Komtesse von Ralphens Heirat und sehr unbekümmert darum, in etwa vierzehn Tagen hier wieder eintreffen wird.«

»Ei, ei, mein gnädiges Fräulein,« schmunzelte von Zühbig, »sollen wir da vielleicht veranlaßt werden, andere zarte Bande als Magnet zu betrachten, die ihn hierher ziehen könnten? Selikoff hat Ihnen einmal, ehe er sich so ganz nach Ralphens hinzog, entsetzlich die Tour gemacht.«

»Nein, da tun Sie Fräulein von Zahbern unrecht, Herr Baron,« rief der Staatsrat, ihre Partei ergreifend, »diesmal ist das gnädige Fräulein nicht allein vortrefflich unterrichtet, sondern interessiert sich auch aus vollkommen uneigennützigen Absichten für den jungen Russen. Allerdings ist dieser über seine sich früher gesetzte Zeit ausgeblieben – wahrscheinlich hat er nicht früher nach *** zurückkehren können – jetzt weiß ich aber bestimmt, daß er in vierzehn Tagen wieder hier eintreffen wird, um – der Residenz seine junge Frau vorzustellen.«

Fräulein von Zahbern sah vor sich nieder und flüsterte: »Nun, mein Herr Staatsrat, so weit ist die Sache denn doch eigentlich nicht.«

»Allerdings, mein gnädiges Fräulein – Pardon, wenn ich Ihnen widerspreche. Die Trauung wird am 17. dieses Monats mit der jungen Fürstin Orlikoff vollzogen werden.«