Zu diesem kam noch der Entschluß, der in seiner Seele kämpfte, Licht und Erklärung selber von dem Freund, die Geliebte betreffend, zu erhalten, ein Entschluß, gegen den er noch immer in seinem Innern ankämpfte, der sich ihm aber mit jeder Minute auch als immer dringender werdende Nothwendigkeit aufdrängte.

So erreichten sie ihre Wohnung, Jeder in seinen Gedanken vertieft und ohne auch nur eine Silbe weiter mit einander zu wechseln, und während Leifeldt mit untergeschlagenen Armen rasch in dem kleinen Gemach auf- und abging, hatte sich Don Gaspar in die eine Ecke des Sophas geworfen und starrte mit zusammengezogenen Brauen vor sich nieder.

Plötzlich blieb der junge Schwede vor dem Spanier stehen und sagte mit leiser, aber fester und entschiedener Stimme:

»Gaspar, ich habe etwas auf dem Herzen, das ich nicht länger mehr allein zu ertragen vermag, und es ist nöthig, daß wir uns darüber verständigen, oder ich gehe in der steten Aufreibung meiner Kräfte und Gedanken völlig zu Grunde.«

Don Gaspar erwiederte kein Wort, sondern schlug nur die großen dunklen Augen staunend und erwartungsvoll zu ihm auf und blieb ruhig und regungslos in seiner Stellung.

»Wie stehst Du zu Miß Newland?« fuhr da der Schwede noch leiser fast fort, und man sah, es hatte ihm schwere Überwindung gekostet, den Namen endlich auszusprechen.

»Miß Newland?« sagte aber Don Gaspar erstaunt, und ein eigenthümliches Lächeln zuckte und blitzte über seine, heute Abend ungewöhnlich bleichen Züge — »wie soll ich zu Miß Newland stehn? — höchst freundschaftlich, hoff' ich doch.«

»Eine Umgehung meiner Frage hilft Dir nichts mehr,« rief aber Leifeldt, durch die, wie er glaubte, angenommene und verstellte Gleichgültigkeit des Freundes mehr gereizt und in seinem Entschluß bestärkt, »Du kannst mich nicht glauben machen, daß Dir das schöne Mädchen gleichgültig sei — es ist nicht möglich, daß Du blind gegen die Neigung wärest, die sie für Dich empfindet.«

»Neigung für mich?« rief aber jetzt der Spanier mit wirklichem Erstaunen und richtete sich auf seinem Sitz empor, »wie kommst Du zu dem tollen, abenteuerlichen Gedanken? — Wie kann das Mädchen eine Neigung für mich empfinden — — was kann sie mir sein?« —

»Was sie Dir sein kann, Mensch?« — rief aber der Schwede jetzt durch die fast wegwerfenden Worte auf das tiefste erschüttert und empört, »was sie Dir sein kann? — Heiliger Gott im Himmel, mir hat es Herz und Seele zerrissen, nur den Gedanken zu fassen, sie aufzugeben, und doch würfe ich meiner Seele Heil selbst freudig in die Schaale, sie nur glücklich zu wissen, und Du, Du könntest sie darum an Dich gezogen haben, nur um sie gleichgültig wieder wie ein Spielwerk, das dem Kinde genügt, wie eine welke Blume bei Seite zu werfen, ja ohne vielleicht einmal Freude, ohne eine einzige Regung des Herzens bei der »Tändelei« gefühlt zu haben?« —