»Aber Federigo, Du faselst,« sagte der Spanier, und ein eignes eigenthümliches Lächeln zuckte plötzlich über seine Züge, — »oder ich verstehe Dich auch falsch — Du meinst doch nicht, daß mich das Mädchen liebt, und daß ich sie heirathen soll?« —
»Allerdings mein' ich das,« erwiederte der junge Schwede mit ernster, fast tonloser Stimme.
»Und soll ich mich hier hängen oder in's Zuchthaus sperren lassen?« frug Don Gaspar laut auflachend.
»Wie soll ich das verstehn? — weshalb?« —
»Aus sehr einfachem Grunde — wie viel Frauen kann ein Mann in diesen Südamerikanischen Republiken nehmen?« frug Don Gaspar und stellte sich, die Arme auf der Brust in einander geschlagen, den Kopf auf die linke Seite geneigt, mit einem komischen Spotte in den Zügen vor dem Schweden hin.
»Wie viel Frauen? — natürlich nur eine — bist Du denn aber schon verheirathet?« rief der Schwede in unverhehltem Erstaunen.
Eine wunderbare Veränderung ging bei dieser Frage in den Zügen des Spaniers vor — zuerst schoß ihm das Blut in Wange und Stirn, als ob es die Adern zu durchbrechen drohte, und im nächsten Augenblick ließ es ihm das Antlitz so weiß und kalt, daß die schwarzen großen Augen unheimlich und wild unter der todtenbleichen Stirn hervorglühten; dann strich er sich ein paar Mal mit der flachen Hand über die Stirn, und es war fast, als ob er gegen ein in ihm erwachendes, aufdrängendes Gefühl stark und gewaltsam anzukämpfen suchte, — er schien auch des Freundes Frage ganz überhört zu haben, gab wenigstens keine Antwort, und erst, als dieser dieselbe wiederholte, lachte er plötzlich still vor sich hin und sagte, die Hand auf des Arztes Schulter legend, leise und zutraulich —
»Versteht sich, Freundchen, versteht sich — aber — man spricht nicht gern davon. Eine Frau ist ein liebenswürdiger Gegenstand zu Hause, doch höchst unbequem auf der Reise, und — man läßt sie deshalb lieber, wo sie am liebsten ist.«
»Aber wie ist mir denn, in des Himmels Namen,« rief der junge Arzt verstört, »hast Du mir denn nicht früher gesagt —?«
»Pst, Freund,« flüsterte der Spanier und lauschte nach dem Nachbarzimmer hinüber, als ob er fürchte, von dort behorcht zu werden, »ich will Dir die ganze Geschichte mit wenigen Worten erzählen, — es ist freilich schon spät, aber wir sind Beide jetzt zu aufgeregt, schlafen zu können und — heute ist so gut eine Zeit dafür, wie jede andere.« — Und seine Hand ergreifend, führte er ihn zum Sopha und begann, sich an seiner Seite niederlassend, auch rasch und ohne weitere Vorrede dem staunenden Freund sein bisher so sorgfältig verschlossen gehaltenes Innere zu öffnen.