Das Herz schlug ihm wild und stürmisch in der Brust, und unter seinem Poncho das Heft des Messers ergreifend, das er heute zum ersten Mal wieder zu sich gesteckt, schien der erste in ihm aufsteigende Gedanke, dem er auch augenblicklich nachgab, der zu sein, dem Verräther zu folgen und beide Mitwissende seines furchtbaren Geheimnisses unschädlich zu machen. —

Die Hausthür fand er noch angelehnt, und statt zu pochen, wie es in den südlichen Ländern, selbst an den offenen Thüren Sitte ist, trat er rasch hinein und wollte eben die Treppe hinauf springen, als er von oben nieder fremde Stimmen hörte, und dem ersten Impuls folgend in ein offen stehendes Seitenzimmer, dessen Thür er rasch hinter sich anzog, hineinglitt.

Die Unterhaltung der Heruntersteigenden wurde laut geführt und Don Gaspar schien ungeduldig ihre Entfernung zu erwarten, als plötzlich ein Name draußen wie ein jäher Schlag durch seine Glieder zuckte, und er in gespanntester Aufmerksamkeit, alles Andere um sich her vergessend, an der Thüre lauschte, kein Wort von dem draußen gesprochenen zu verlieren.

»Don Luis de Gomez,« sagte die eine Stimme, die einem älteren Manne anzugehören schien, »hat sonst weiter keine Befehle hinterlassen, Amigo?«

»Keine daß ich wüßte,« entgegnete die andere — »sorgt nur dafür, daß seine Zimmer in Guillota bereit sind, denn ich glaube kaum, daß er sich länger als zwei Tage in Valparaiso aufhalten wird.«

Die beiden Männer standen jetzt unten vor der Thür, hinter welcher der Spanier, sein Ohr gegen das dünne Holz gepreßt, lauerte, und der erstere meinte wieder: —

»Die Señora wird wohl nicht so rasch wieder fort wollen — Reisen greift an und ein paar Rasttage sind manchmal nöthig.«

»Das weiß ich nicht und geht mich nichts an,« brummte der Andere — »Weiberlaunen sind wunderliche Dinge und wenn's ihr in den Kopf kommt, bleibt sie vielleicht den ganzen Sommer hier, mag Don Gomez dagegen sagen was er will. — Wer war denn der junge Mann, der eben zu Don Guzman ging? — Den habe ich doch noch nicht hier gesehen.«

»Ein deutscher Doktor, glaub' ich, der sich hier aufhält,« lautete die Antwort — »aber ich wollte, wir könnten gehen, weßhalb mögen wir denn hier noch warten sollen?«

»Blitz noch einmal, wie der Señor erschrak, als er Don Luis Namen hörte,« sagte der Jüngere wieder, »und hast Du nicht bemerkt, wie er meinem Herrn etwas ins Ohr flüsterte? — ich glaube wahrhaftig, es ist deßhalb, daß wir warten müssen, denn da wird schon wieder geklingelt oben — bleibe einen Augenblick, Compañero, ich bin gleich wieder bei Dir« — und mit flüchtigen Sätzen sprang er die Treppe hinauf, dem Ruf Folge zu leisten, während der Alte, die Hände auf dem Rücken unter seinem kurzen blauen Poncho gekreuzt, auf- und abging und ungeduldig die Rückkehr des Kameraden zu erwarten schien.