Neben Helenen war Felix von Rottack aufgestanden, und ihr sein Glas entgegenhaltend, sagte er artig, aber kalt:
»Erlauben Sie, Comtesse, daß ich der Erste sei, der Ihnen seinen aufrichtigen Glückwunsch zu Ihrer Verlobung mit Herrn von Pulteleben bringt – es ist ja auch das Einzige, was wir anderen armen Teufel bringen können, die außerdem nur noch den Glücklichen beneiden mögen, daß er die – schönste Blume Santa Clara's pflücken darf.«
Helene, als sie ihr Glas mit dem seinigen berührte, sah scheu zu ihm auf, denn sie fühlte das Bittere im Tone. Jeder Blutstropfen hatte dabei ihr Angesicht verlassen, und ein so tiefer Schmerz lag in diesem Moment in ihren Zügen, daß Felix unwillkürlich davor erschrak und mit leiser, herzlicher Stimme hinzusetzte: »Sein Sie glücklich!«
Herr von Pulteleben mußte um den ganzen Tisch herum, um zu seiner Braut zu gelangen. Er hatte erst auf des Barons Toast noch Etwas erwiedern wollen, aber es ging nicht; der Spectakel war zu groß geworden, und er drängte sich jetzt nur zwischen die Übrigen hinein, um nicht ganz aus dem Weg gesetzt zu sein.
»Das ist ja in der That eine große Überraschung,« sagte die Frau Pastorin, die das Geheimniß schon einige Tage früher als die betreffenden Personen selbst gewußt hatte – »ei, da gratulir' ich ja recht von Herzen und von ganzer Seele und mit ganzem Gemüth, und der Herr gebe seinen reichsten Segen dazu – und was man Ihnen sonst noch alles Gute wünschen kann!«
Helene stieß mit Allen an – sie wußte gar nicht mit wem – sie bemerkte auch kaum, daß ihr Bräutigam sich ihr nahte und verlegen sein Glas mit dem ihrigen berührte; sie hörte nur, wie er flüsterte:
»Meine liebe, liebe Helene – o, daß ich Sie jetzt so nennen darf!«
Der Herr Director Reitschen, der eben sein Glas erhoben hatte, fühlte sich leise am Ellbogen berührt und wandte sich danach. Er sah auch Jeremias mit dem gefüllten Pokal vor sich; ehe er es aber verhindern konnte, stieß der kleine Bursche, ihm freundlich und vertraulich zunickend, mit ihm an und leerte seinen Wein dann auf einen Zug.
Der Baron war ein entsetzter Zeuge dieser Zwischenscene gewesen.
Die Gläser wurden wieder gefüllt, und vielleicht zum Beweis, wie unvorbereitet ihnen Allen diese Nachricht kam, las der Herr Pastor jetzt ein langes Gedicht ab, das er zur Feier dieser »unerwarteten« Gelegenheit verfaßt hatte.