»Ja – ist das etwas so Außerordentliches?« fuhr aber diese fort – »Randolph war nur sein Vorname, und er theilte mir eine erschütternde Nachricht mit – den Tod einer Verwandten von ihm, was mich etwas angegriffen hat. Übrigens will er hier nicht gekannt sein, lieber Arno, und ich bitte Sie darum, sich nicht merken zu lassen, daß ich sein Geheimniß verrathen habe – aber Sie gehören ja doch jetzt natürlich mit zur Familie. Was ich Euch Beiden nur noch sagen wollte – ich habe mir die Sache heute hin und her überlegt, und – da Ihr doch jetzt mit einander verlobt seid, so – thut es eigentlich kein Gut, die Sache zu lange hinaus zu schieben, und ich wünsche deshalb, daß die Hochzeit recht bald – so bald als irgend möglich gefeiert werde.«
»Beste Mutter, Sie machen mich so unendlich glücklich!« rief Herr von Pulteleben entzückt aus.
»Aber, Mama, das ist ganz gegen unsere Abrede,« sagte Helene, und ein eigenes eisiges Gefühl erfaßte ihr Herz.
»Liebes Kind,« sagte die Mutter, »die Verhältnisse reißen uns zu Zeiten mit fort, ohne daß wir sie nach unseren Wünschen regeln oder beherrschen können, und eben diese Verhältnisse zwingen uns, von hier fort und nach Santa Catharina zu ziehen.«
»Nach Santa Catharina?« rief Herr von Pulteleben erstaunt – »woraus schließen Sie das?«
»Ich habe den Gedanken schon einige Zeit mit mir herumgetragen,« fuhr die Gräfin fort, »da besonders für unser Geschäft Santa Clara ein Nichts weniger als passender Platz ist.«
»Aber wird die Insel besser sein, Frau Gräfin?«
»Entschieden – aber Du darfst nicht glauben, Helene, daß ich einen solchen Schritt leichtsinnig und auf das Gerathewohl thun würde, und ich habe mich vorher sorgfältig nach allen Verhältnissen der Insel erkundigt. Erstens bekommen wir dort Arbeiter billiger, dann haben wir die Auswahl unter den besten Tabakssorten, die gerade von dort aus in Massen nach dem Süden verschickt werden und viel billiger sind als hier, und dann – die Hauptsache – finden wir selber einen viel besseren Markt für unser Product, da wir von dort aus in directer Verbindung mit dem Süden, ja, selbst mit Montevideo und Buenos-Ayres stehen.«
»Aber, Mama, wenn Du Dich darin nur nicht irrst, und auf bloße Vermuthung hin eine solche Reise ...«
»Bloße Vermuthung – das Kind glaubt Nichts, Pulteleben, was sie nicht sieht – Sie werden noch Ihre rechte Noth mit ihr bekommen. So laß Dir denn sagen, daß ich, um ganz sicher zu gehen, schon vor mehreren Wochen an die Präsidentin geschrieben und mit dem letzten Dampfer Nachricht bekommen habe, wie die Sachen dort stehen – und zwar sehr günstige Nachricht.«