»Aber der Brief, welchen Du erhieltest, war ja von Deutschland, mit dem kleinen Wechsel darin.«
»Das Kind bringt Einen noch zur Verzweiflung, Pulteleben,« lächelte die Mutter – »ich habe zwei bekommen, einen von Deutschland und einen von Santa Catharina, den mir der Director selber mitgebracht; wenn Du dem aber, was ich sage, nicht glauben willst, so sollst Du Dich wenigstens selber überzeugen – hole mir einmal den Brief herüber; er liegt auf meiner Toilette; der in dem gelben Couvert – es ist nur der eine da.«
Helene erhob sich, um den Auftrag auszuführen, als sie die Gräfin wieder zurückrief.
»Ach nein, bleib' da,« sagte sie, »ich habe ihn weggeschlossen.«
»Wenn Du mir den Schlüssel giebst, Mama, hol' ich ihn.«
»Nein, ich gehe selber, Du reißt mir sonst meine Papiere durch einander,« – und von dem Sopha aufstehend, ging sie in ihre Kammer, aus der sie gleich wieder mit dem gelb couvertirten Briefe zurückkam.
»Da,« sagte sie, indem sie der Tochter den Brief in den Schooß warf, »nun lies selber, was die Präsidentin schreibt. Danach werden Sie sich ebenfalls überzeugen, lieber Arno, daß wir wirklich gar nicht besser thun können, als nach der Insel überzusiedeln. Die Kosten sind unbedeutend, und wir bringen in zwei Monaten reichlich die möglichen Mehr-Ausgaben wieder ein. Ehe wir aber diese Reise zusammen machen, werden Sie selber einsehen, daß es nöthig ist die Trauung vorher zu halten – schon des Geredes der Leute wegen. Nun, lies nur laut, Helene, Arno soll ebenfalls wissen, wie die Präsidentin über unseren Umzug denkt. Sie ist unendlich liebenswürdig, und bietet uns sogar an in ihrem Hause zu wohnen, bis wir uns eine eigene Wohnung hergerichtet haben.«
Helene hatte den Brief überflogen, und sah jetzt darüber hinaus ihre Mutter groß und starr an.
»Nun, was hast Du denn? So lies doch! Die Präsidentin schreibt doch eine ganz leserliche Hand. Aber ich vergaß – der Brief ist ja portugiesisch, und Sie verstehen ihn nicht, Arno – gieb ihn mir, ich werde ihn übersetzen.«
»Der Brief hier,« sagte Helene mit fast tonloser Stimme, ohne ihn aus der Hand zu geben, oder ein Auge von ihrer Mutter zu verwenden, »ist nicht von Santa Catharina.«