»Guten Morgen, Herr Baron! Wissen Sie's schon?« sagte der Mann, indem er vor dem Baron stehen blieb und seine Mütze abzog.
»Guten Morgen, Meister Berthold – ob ich was weiß?«
»Der Justus ist fort – der Kernbeutel, mein' ich, der andere Schneider – den verrückten Kerl haben Sie ja doch gekannt?«
»Fort? Wohin? Durchgegangen?«
»Niemand weiß es,« sagte der Mann. »Er war neulich Abends von Haus fortgegangen, um Zuhbel auf seiner Chagra zu besuchen, dort hat aber Niemand Etwas von ihm gesehen, und er ist auch seit der Zeit – es sind nun schon ein paar Tage her – nicht wieder nach Haus gekommen. Die Frau jammert nun und wehklagt, daß er sie ohne einen Groschen Geld habe sitzen lassen, und die Soldaten sind heute Morgen in der Nachbarschaft herumgeschickt, um nach ihm zu suchen, denn er ist Gott und der Welt schuldig, der Lump!«
»Hm, hm, hm, was man nicht Alles hört – guten Morgen, Meister!« sagte der Baron, und brach das Gespräch kurz ab, denn in Bohlos' Hotelthür erschien eben der junge Fremde, der sich hier in der Colonie unter dem Namen Randolph eingeführt, und trat zu seinem Pferd, um dessen Gurt noch einmal nachzuziehen. Der Baron kam an der nämlichen Seite der Straße herauf, als ob er nur zufällig dort vorbeiging, und als er dem jungen Mann gegenüber war, blieb er stehen wandte sich gegen ihn und sagte lächelnd:
»Ei, guten Morgen, mein junger Freund. Der gestrige Abend scheint Ihnen gut bekommen zu sein, daß Sie so früh schon wieder zur Reise gerüstet sind.«
»Ah, guten Morgen, Herr Baron – auch schon auf?«
»In meinem Alter muß man sich an ein regelmäßiges Leben gewöhnen, wenn man gesund bleiben will,« sagte achselzuckend der Baron. Sie jungen Leute können freilich noch mit Ihrem Körper machen was Sie wollen, ohne augenblicklich dafür gestraft zu werden. Aber wo soll die Reise hingehen, wenn man fragen darf?«
»In den Wald,« sagte fröhlich der junge Graf, indem er den Baron leicht auf die Schulter schlug – »in den Wald, mein lieber Herr, daß ich einmal eine Zeit lang keine Schornsteine und Glasscheiben mehr zu sehen brauche. – Ich gebe Ihnen mein Wort, ich habe einen wahren Ekel vor der Civilisation.«