»Nicht besonders – leichter Boden thut's, und selbst Hitze und Trockenheit hat dem Zeug Nichts an. Gott weiß, wo es den Saft alle herbekommt. – Und sehen Sie 'mal, was daneben für ein Wälschkorn gestanden hat – was für Stengel – ja, das muß wahr sein, der Boden hier ist eine wahre Pracht, und ich habe ihn merkwürdigerweise da oben viel besser als die im Thal unten; aber Arbeit kostet's auch, und das Unkraut herauszuhalten ist schwere Müh', und ordentlich als ob's hinter einem wieder herauswüchse, wenn man's eben erst ausgerissen hat.«
»Zuhbel drüben klagte, daß sich das Land nicht zum Bau von Futterkräutern eignete.«
»Zuhbel,« lachte der junge Mann, »der klagt über Manches, und lobt Nichts als seinen eigenen Wein – gerade aus Widerspruch, weil's eben kein Anderer thut. Nein, wir können hier bauen was wir wollen, es geräth Alles – wenn's nur ordentlich behandelt wird, natürlich. – Nur mit dem Weizen hat's uns Allen nicht so recht glücken wollen. Im Anfang, ja, da ging's gut, und wir glaubten schon, wir hätten gewonnen, aber nachher gab's auf einmal aus, und was man auch thun mag, es will nicht mehr vorwärts damit. Aber was schadt's, desto bessere schwarze Bohnen ziehen wir, Kartoffeln, besonders süße, nach Herzenslust, Maniok, Erdnüsse und recht guten Reis; da kann man's zur Noth auch schon ohne den Weizen aushalten, mit dem sie weiter unten im Süden doch mehr ausrichten als wir hier.«
»Und wie steht's mit dem Tabak?«
»Gut – von der Art wenigstens wie er hier wächst. Ich hab' ganz hübschen Tabak gebaut, und auch gut in die Stadt hinein verkauft, aber – ob wir hier nicht recht mit den Blättern umzugehen wissen, oder an was es sonst vielleicht liegt – der ganze Tabak taugt eigentlich nicht viel, und die Cigarren, die wir manchmal mit einem Schiff von anderen Ländern herüber bekommen, sind doch ein ander Ding; selbst viel besser als die von Bahia.«
»Und wie hübsch und sauber die Chagra eingerichtet ist,« sagte Könnern, der den Blick mit Vergnügen über die reinlichen Felder und die guten Umzäunungen gleiten ließ – »man sieht doch gleich, wo eine deutsche Hand gearbeitet hat.«
»Nun,« lächelte Köhler, »ich bin zwar ein Brasilianer, das heißt im Lande geboren, aber das deutsche Blut steckt freilich drin, und wie wir's daheim gesehen und gelernt haben, so machen wir's eben nach, wenn wir selber selbstständig werden.«
»Euer Vater hat Vermögen mit nach Brasilien gebracht?«
»Nicht eine rothe Kupfermünze, aber Schulden dafür genug,« lautete die Antwort. »Nein, er kam damals mit einer ganzen Ladung Bauern, alle vom Hundsrück in Deutschland und arm genug, herüber, nur mit einer Frau und zwei Kindern – meiner Mutter und den beiden ältesten Brüdern. Die Regierung gab ihm ein Stück Land, was sie hier eine »Colonie« nennen, und auch noch Subsidiengelder, daß er sich die erste Zeit über Wasser halten konnte. Ackergeräthe bekamen sie ebenfalls von der Regierung, und nun ging's her über die Bäume, und Land wurde klar gemacht, daß es eine Lust und Freude war. Die Arbeit lohnte auch. Alle die armen Teufel, die daheim nicht das Brod zum Brechen und Sorgen und Kummer genug gehabt, wie mir mein Vater oft erzählt, bauten sich zuerst eine nothdürftige Hütte und dann ein ordentliches Haus, vergrößerten ihre Felder, sahen ihre Heerden sich vermehren – und ihre Kinder auch, und fanden plötzlich, daß sie gar nicht mehr alle zusammen Platz auf der alten Chagra hätten. Mein Alter – und viele andere Alte machten es eben so – schickte aber nicht etwa seine ältesten Söhne hinaus, um sich einen neuen Platz zu gründen, nein, er kaufte von der Regierung eine andere Colonie für sich selber, auf der er wieder frisch an zu wirthschaften fing, weil er sich nicht überreden konnte, daß es die Jungen eben so gut verständen, wie er. Jetzt ist er freilich zu alt geworden, um noch einmal von vorn anzufangen, und wie ich flügge wurde, ließ er mich hinaus, um mein eigen Nest zu bauen.
»So haben wir uns denn vermehrt und ausgebreitet, und wenn Ihr hier in der Gegend und in vielen anderen Gegenden Süd-Brasiliens herumfragt, werdet Ihr überall Leute finden, die sich wohl befinden in der Welt, und deren Eltern doch daheim nicht genug hatten, daß sie sich in der Woche ein halbes Pfund Fleisch gönnen konnten.«