Der junge Mann plauderte noch eine ganze Weile so munter fort und hatte besondere Freude daran, seinem Besuch zu erzählen, wie Der oder Jener vor fünf, sechs oder acht Jahren herüber gekommen sei und Nichts mitgebracht habe als sein Elend, und eine verkümmerte Familie, und wie gut es ihnen ginge. Dabei blieb er bald hier, bald da einmal stehen und zeigte dem Fremden die neue Anlage von Pfirsichbäumen, die das nächste Jahr schon wahrscheinlich tragen würden; dann den Flachs, den er für seine Frau gebaut, der aber nicht recht fortkommen wollte – und dann, nachdem er nach seinen Arbeitern gesehen, die wieder frisches Land urbar machten, führte er ihn zu dem Hause selber zurück, um ihm auch noch den Gemüsegarten und die Ställe zu zeigen – Ställe nämlich nur für die Mastschweine, die er mit dem Sorgho fütterte, denn das andere Vieh lief lustig draußen im Freien auf einem großen, eingezäunten Platz umher.
Der Garten selber stieß an ein kleines Dickicht alter Pfirsichbäume, an denen der frühere Besitzer Weinreben gepflanzt, die sich jetzt ganz erstaunlich ausgebreitet hatten. Köhler nannte den Platz »des Barons Laube«. Der Gemüsegarten selber lag dicht und unmittelbar hinter dem Hause, und nur die Fenster der Küche und Schlafkammer führten darauf hinaus.
Die beiden jungen Männer hatten übrigens kaum den Rand des Gemüsegartens erreicht, als ein eigenthümlich lautes Sprechen, fast wie ein Ruf aus dem Hause drang. Köhler zeigte gerade Könnern den trefflichen Blumenkohl, den er hier gezogen – er schwieg plötzlich und horchte nach dem Hause hinüber; es war Alles wieder still, nur das Kind schrie.
»Was das für ein klinger Schlingel ist!« sagte er lachend; »die Frau hat den ganzen Tag mit ihm zu zanken, und er macht sich nicht so viel daraus. – Ja, was ich gleich sagen wollte, der Blumenkohl hier ist meiner Frau größter Stolz, denn den hat« – wieder hielt er inne, denn nochmals kam aus dem Hause ein merkwürdiger Laut, der weit mehr einem ärgerlichen Schrei als einem Zanken glich.
»Jetzt wollt' ich doch drauf schwören, daß ich meinen Namen gehört hätte,« sagte Köhler, schritt aber dabei schon rasch dem Hause zu, wohin ihm Könnern folgte.
»Hans! Hans!« schrie es in dem Augenblick klar und deutlich, und mit zwei Sätzen waren beide Männer im Hause, denn etwas Ungewöhnliches mußte dort geschehen sein.
Köhler sprang voran in die Stube, deren Thür nur angelehnt war, und blieb erstaunt mit einem lauten Halloh? auf der Schwelle stehen, denn in dem Zimmer stand ein sehr anständig gekleideter ältlicher Herr, hatte seine Frau umfaßt, die sich aus allen Kräften gegen ihn wehrte, und suchte sie mit dem einen Arme an sich zu ziehen, während er mit dem andern ein paar gut gemeinte Stöße parirte, welche sie nach seinem Gesicht führte. Bei dem Ausruf des Mannes ließ er freilich die Frau augenblicklich los, die, aufgeregt und erhitzt, mit funkelnden Augen und zitternden Gliedern ihrem Mann entgegen rief:
»Gut, daß Du da bist – schmeiß' mir einmal den Kerl hinaus!«
»Sie verstehen aber auch gar keinen Spaß,« lachte der fremde Herr verlegen, der jetzt sein Taschentuch heraus nahm und sich etwas Blut aus dem Gesicht wischte, denn die »Trine« schien nicht immer fehl getroffen zu haben.
Der Herr selber sah außerordentlich echauffirt und nichts weniger als erfreut aus, die beiden Männer in der Thür zu finden. Köhler selber war aber wirklich im ersten Augenblick so verblüfft, daß er gar nicht wußte was er thun oder sagen sollte, und kam eigentlich erst wieder zur Besinnung, als Könnern mit einem ironischen Lächeln bemerkte: