»Ich will augenblicklich nach Deutschland schreiben,« sagte die Frau – »gewiß, Helene, mit dem nächsten Schiff, und will Deine Mutter bitten mich meines Eides zu entbinden; aber ehe das geschehen ist, und wenn sie nicht darein willigt, kann und darf ich es ja doch nicht thun. Du selber wirst doch nicht wollen, daß ich einen Meineid auf meine Seele lade.«

Helene hatte ihr Herz wie krampfhaft mit der Hand gefaßt und sah die Frau noch immer mit ihrem kalten, durchdringenden Blick an, endlich sagte sie leise:

»Also Sie wollen mir den Namen meiner Mutter nicht nennen?«

»Ich kann, ich darf nicht, Kind – wenigstens jetzt noch nicht. Laß Dir Zeit – in wenig Monaten kann ein Brief hinüber- und zurückgehen, und ich zweifle keinen Augenblick, daß Deine Mutter mich meines Eides entbinden wird. Dann von Herzen gern. Aber – was nutzt es Dir, Helene?« fragte sie wie schüchtern nach kurzer Pause, »denn – Du würdest ihr doch nicht nahen dürfen.«

»Nicht nahen dürfen?« rief Helene erschreckt; »wer will das Kind dem Herzen der Mutter fern halten?«

»Frage mich nicht weiter – dringe nicht in mich, Deiner eigenen Ruhe wegen.«

»Also das dürfen Sie mir doch sagen,« rief Helene rasch, »und aus Schonung für mich glaube ich nicht, daß Sie es zurückzuhalten brauchen. Ich verlange von Ihnen zu wissen, weshalb mir die Mutter vorenthalten werden soll. Ich mache Sie für Alles verantwortlich was daraus entstehen kann, wenn ich es nicht erfahre, und beim ewigen Gott! ich halte was ich verspreche, wenn ich Ihnen zuschwöre, daß Sie bei einer Weigerung keine schlimmere Feindin in der Colonie haben sollen, wie mich. Ich denke, Sie trauen mir zu daß ich mein Wort halte.«

Helene war von ihrem Stuhl aufgesprungen und stand der Frau mit zürnendem, drohendem Blick gegenüber.

»Thörichtes Kind,« sagte Frau Baulen, ohne sich jedoch dieses Mal aus ihrer Ruhe bringen zu lassen, denn sie kannte die Waffe, über die sie verfügte – »Du verlangst Etwas, was Dich unglücklich für Dein ganzes Leben machen wird.«

»Noch unglücklicher als ich jetzt schon bin?« lachte Helene bitter – »Sie scherzen, Frau Gräfin