»Und weshalb hat er die Soldaten mitgebracht?« fuhr Rohrland fort – »der Indianer wegen? Unsinn! So lange wir hier sind, und wenigstens seit den letzten zehn Jahren, hat kein Mensch 'was von einer Rothhaut gehört und gesehen. Wenn sie aber an den Gränzen herumschlichen, wohin gehörten die Soldaten denn da anders, als eben an die Gränze, um uns wirklich zu schützen? So aber lagern sie unten am Flusse, mit der ganzen Colonie zwischen sich und den eingebildeten Wilden, die, wenn sie wirklich da wären, alle die Gränz-Colonien abschneiden und selbst die Stadt anzünden könnten, ehe das Militär auch nur ein Wort davon erführe, viel weniger denn zu Hülfe kommen könnte.«
»Ja, das ist, Gott straf' mich! wahr,« sagte Berthold – »da unten am Fluß nutzen sie doch wahrhaftig Nichts, als daß sie wie die Raben stehlen, denn seit sie da sind, kann man kein Ruder mehr fünf Minuten lang unbewacht in einem Canoe liegen lassen, oder fort ist's, und da klage nachher einmal Jemand – was wär's dann? Die Halunken verrathen einander schon lange nicht.«
»Guten Abend mit einander,« sagte da ein Fremder, der zu ihnen in die Wirthsstube trat, seine Mütze abnahm und sich an einen andern kleinen Tisch allein setzte. Der Mann war sehr ärmlich gekleidet und sah vollkommen aschfarben und krank im Gesicht aus. Er schien auch schwach auf den Füßen, und bat den Wirth um ein Glas Bier und ein Stück Schwarzbrod.
Bohlos brachte es ihm und blieb dann neben seinem Tische stehen.
»Wohl bekomm's!« sagte er – »und wo kommt Ihr denn her? Ihr seid wohl krank gewesen.«
»Danke schön,« antwortete der Mann – »nein, krank gerade nicht, aber das Klima hat mich ein Bißchen heruntergebracht. Wir kommen aus dem Norden.«
»Aus dem Norden? Von Rio?«
»Nein, noch weiter herunter, aus der Provinz Minas Geraes.«
»Alle Teufel – und habt Ihr lange da oben gesteckt?«
»Zehn Jahre,« sagte der Mann, und ein schwerer Seufzer hob seine Brust.