Etwa drei Viertelstunden später traten drei Soldaten in Bohlos' Hotel, gingen in die nur von einem Talglicht erhellte und sonst vollkommen leere Gaststube, und verlangten eine Flasche Branntwein zu kaufen.

»Thut mir leid, meine Herren,« sagte Bohlos ruhig – »Sie haben mir im Namen des Herrn Directors selber verboten, nach neun Uhr noch Etwas auszuschenken; von mir können Sie also Nichts bekommen. Ich habe übrigens gesehen, daß sich das Verbot nicht auf den andern Wirth Buttlich auszudehnen scheint. Bei dem sitzen die Gäste noch fest; wenn Sie also Branntwein haben wollen, bemühen Sie sich dort hinüber.«

Indessen waren noch drei oder vier andere Soldaten nachgekommen, und sprachen leise mit den übrigen. Endlich drehten sie sich, um hinauszugehen.

»Hier ist's verdammt dunkel!« rief der Eine, und da er draußen ein Gepolter hörte, nahm Bohlos das Licht vom Tisch und trat hinaus auf den Hausflur. In dem Augenblick sah er, daß einer der Soldaten mit einem großen Zaunpfahl, den er von draußen mit hereingebracht hatte, gegen ihn ausholte. Er behielt eben noch Zeit, seinen rechten Arm empor zu werfen, um sich vor dem Schlag zu schützen, als dieser mit voller Wucht auf ihn niedertraf. Unwillkürlich stieß er einen Schmerzens- und Hülfeschrei aus, als die Soldaten lachend und fluchend aus der Thür sprangen, und im nächsten Augenblick im Dunkel draußen verschwunden waren.

Bohlos' Frau kam jetzt aus ihrem Zimmer gestürzt, und die Dienstleute eilten herbei. Bohlos aber, der noch mit dem Licht in der Hand, doch todtenbleich vor ihnen stand, sagte ruhig:

»Lauf doch einmal Einer von Euch zum Bader. Die Halunken haben mir den Arm zerbrochen« – und sank dann ohnmächtig zusammen.

6.
Vorbereitungen.

So lange die Colonie Santa Clara stand, hatte noch keine solche Aufregung geherrscht, wie in diesen Tagen, und es fehlte wahrlich nicht viel, so wäre eine wirkliche Revolution ausgebrochen. Nur die älteren Leute hielten das junge Volk noch zurück, daß sie nicht das Directions-Haus stürmten und Herrn von Reitschen selber »zu allen Teufeln« jagten.

Herr von Reitschen mochte auch etwas Ähnliches fürchten, denn die Stimmung gegen ihn konnte ihm nicht verborgen bleiben, und er hatte zwölf Mann seines sogenannten Indianerschutzes unten in sein eigenes Haus gelegt, wo sie mit geladenen Gewehren Wache halten mußten. Die Übrigen waren theils vor das Gefängniß, theils in das »Auswanderer-Haus« postirt worden, und die armen Parcerie-Arbeiter hätten am Fluß-Ufer lagern müssen, wäre ihnen nicht durch Bohlos eines seiner Hintergebäude angewiesen worden.