»So?« sagte Bohlos, »bist Du Nachtwächter hier im Orte geworden?«

»Es ist neun Uhr,« wiederholte jedoch der Bursche, »und der Director hat befohlen, daß um neun Uhr alle Leute nach Hause gehen und daß nicht mehr gesungen wird.«

»Nanu?« rief Bohlos, beinahe stumm vor Staunen.

»Was ist los? Was giebt's da?« riefen eine Menge Gäste durch einander, welche den Soldaten bemerkt hatten und Bohlos' Erstaunen sahen. »Was will er, Bodenlos? Ist er durstig?«

»Polizeistunde, bei Gott!« rief jetzt der Wirth, »und das Singen stört den Herrn Director.«

»Da soll er sich doch Baumwolle in die Ohren stecken,« lachte Berthold – »Polizeistunde, na, weiter fehlte Nichts in Brumsilien!«

»Alle sollen nach Hause gehen und Singen aufhören!« schrie der Soldat über den ganzen Lärm hinaus, und stieß dabei seinen Gewehrkolben heftig auf den Boden nieder, und wie er das gethan hatte, antwortete es draußen dem Signal. Die Gewehrkolben ziemlich der ganzen Mannschaft stießen draußen auf, die Thür wurde aufgerissen, und die Gäste sahen zu ihrem Staunen, daß hier wirklich Ernst gemacht wurde.

»Ei, da schlag' denn doch ein Himmeldonnerwetter drein!« schrien aber ein paar von den jungen Leuten, die sich einer solchen boshaften Willkür nicht gutwillig fügen mochten, und sprangen von ihren Sitzen auf. Die Soldaten wollten jetzt in's Zimmer dringen, aber die deutschen Burschen faßten ein paar von den braunen, verlebten Gestalten, daß diese eben nicht sanft und pfeilschnell auf ihre Kameraden zurückflogen, und es wäre jedenfalls zu einer ganz ordentlichen Schlägerei gekommen, wenn nicht Bohlos dazwischen gesprungen wäre.

»Meine Herren,« rief er auf die Gäste ein, »ich bitte Sie um Gottes willen, widersetzen Sie sich nicht den, wenigstens angeblich gesetzlich gegebenen Anordnungen des Directors, der auch zugleich Delegado ist. Sie wissen nicht, in was für Schererei wir deshalb kommen können. Thun Sie mir den Gefallen und gehen Sie heute Abend ruhig nach Haus – morgen wollen wir dann schon sehen, was sich in der Sache thun läßt.«

Es gelang ihm auch wirklich, die Ruhe wieder herzustellen, und die Gäste folgten seinen Bitten und verließen – aber alle mit bitteren Flüchen auf den Director in portugiesischer Sprache, damit es die Soldaten verstehen sollten – das Hotel. Draußen aber formirten sie sich zwei Mann hoch und zogen jetzt Arm in Arm und laut singend und jubelnd vor des Directors Haus. Natürlich schlossen sich ihnen noch gleich eine Menge anderer Colonisten an, und das Resultat war dann eine ganz richtige deutsche Katzenmusik, die ihrem weltlichen Oberhaupt in der Stille der Nacht gebracht wurde; dann zerstreuten sie sich lachend durch den Ort, um ihre eigenen Wohnungen aufzusuchen.