»Hier ist auch einer – hier auch einer!« rief es von allen Seiten – »hier sind fünf,« sagte der Bäckermeister, »und hier auch,« erwiederte Rohrland, und es dauerte keine zehn Minuten, so war die Mütze des Schneiders mit Silbermünzen fast halb angefüllt.

»Da, nun gebt einmal Eure Mütze her,« lachte Berthold den armen Teufel an, der ganz verdutzt und seinen Sinnen kaum trauend daneben stand, indem er ihm das Geld klirrend hineinschüttelte – »so, nun lauft heim und zeigt's Eurer Frau und Eurem Schwager – denn für den ist's auch mit, und morgen reden wir weiter, wo wir ein paar Colonien für Euch herbekommen. Nur nicht ängstlich; es geht Alles in der Welt, wenn man's nur auf der rechten Seite anfaßt.«

»Ja, aber du lieber Gott ...« stotterte der Mann.

»Fort mit Euch!« rief aber der Schneider, der ihm die Verlegenheit ersparen wollte, und schob ihn lachend zur Thür hinaus – »wenn Ihr wollt, könnt Ihr nachher wieder herkommen, aber jetzt liefert erst Eure Capitalien ab.«

»O, so vergelt's Ihnen Gott tausend und tausendmal!« rief der Überglückliche, aber Berthold hatte die Thür schon hinter ihm zugemacht.

Immer mehr Gäste kamen herein, so daß sich das große Zimmer ziemlich gefüllt hatte, und das Gespräch wurde immer lebhafter, gab es doch heute auch genügenden Stoff, um bei einem Glas Bier oder Wein die Tagesfragen gehörig durchzunehmen! Das junge Volk aber, das sich darüber bald ausgesprochen hatte – denn Keiner von Allen glaubte, daß Köhler länger als bis morgen früh zu sitzen haben würde – fing an zu singen. An dem einen Ecktisch bildete sich ein Quartett, und »Ännchen von Tharau«, »Wir sitzen so fröhlich beisammen« und eine Menge andere deutsche Lieder wurden vorgenommen.

Bohlos' Hotel war nämlich das beliebteste in Santa Clara, denn man wußte jetzt, daß Buttlich nur eine Creatur des neuen Directors war, und wollte Nichts mit ihm zu thun haben.

Indessen war es neun Uhr geworden, als die Thür plötzlich aufging, einer der braunen brasilianischen Soldaten den Kopf hereinsteckte und in portugiesischer Sprache nach dem Wirth fragte. Bohlos, der gerade, eine Partie Bierkrüge in der Hand, an der Thür vorbeigehen wollte, blieb stehen, sah den Burschen an und fragte:

»Na? Was ist nu wieder los?«

»Es ist neun Uhr,« erwiederte der Soldat, der jetzt voll in's Zimmer trat.