»Aber das Haus muß dicht vor uns sein,« rief der Mann mit einem abscheulichen Fluch – »wir haben die Hähne von da oben ganz deutlich krähen hören – es kann nicht mehr weit sein.«

»Ich bin's nicht im Stande,« stöhnte die Frau und sank mit dem Kinde, das sie den ganzen Weg geschleppt hatte, unter einen Baum – »mach' mit mir was Du willst, schlag' mich todt oder laß mich liegen und hier umkommen, aber ich kann nicht weiter.«

»Dann komm allein nach,« fluchte der Bursche, »warten thu' ich, Gott straf' mich! nicht mehr auf Dich, Du Gottverdammte« – er fuhr erschreckt empor, denn dicht dabei hörte er den Schritt der Pferde im Laub, und erstaunt starrte er die beiden Reiter an.

Rottack ritt dicht an ihn hinan und sagte finster:

»Seid Ihr denn auch ein Mensch, daß Ihr die arme Frau zu Tode hetzt? Ihr geht leer, Euren Stock auf der Schulter, und das schwache, kranke Weib muß auch noch das schwere Kind schleppen – 's ist doch wahrlich eine Schande!« Und ohne weiter auf ihn zu achten, stieg er ab, nahm seine Feldflasche, und zu der Frau tretend, fuhr er fort: »Da, trinkt einmal einen Schluck Wein, das wird Euch gut thun – Ihr seht aus, als ob Ihr's nöthig hättet.«

»Das weiß der Allerbarmer!« stöhnte die Frau – »und der mag's vergelten – Ihr seid doch auch Menschen, Ihr werdet mich nicht hier im Walde allein liegen und mit dem Kinde verhungern lassen.«

»Hier in Brasilien kann Jeder thun was ihn freut,« sagte der Mann finster, aber doch scheu zu Könnern emporsehend, der, sein Gewehr vor sich auf dem Sattelknopfe, schweigend neben der Gruppe gehalten und den Mörder finster und ernst betrachtet hatte. Daß er dabei den Rechten vor sich hatte, daran zweifelte er keinen Augenblick mehr. Die scheue, ekle Gestalt paßte vollkommen zu der Beschreibung, und der unechte Tressenstreifen um die blaue schirmlose Mütze lieferte noch den letzten Beweis, wenn es dessen bedurft hätte.

»Na,« sagte Bux endlich, dem der Blick des Fremden unbehaglich wurde – »was stiert Ihr mich so an, als ob Ihr noch in Eurem Leben keinen Menschen mit einem kaputen Esel und einer miserablen Frau gesehen hättet? Das glaub' ich! Ihr könnt's aushalten auf Euren Pferden oben, aber so ein armer Teufel, der muß sich wie ein Hund durch's Leben schinden – na, was habt Ihr denn an mir zu gucken?«

Könnern hatte kein Wort erwiedert und nur den Blick fest auf dem Mörder gehalten, den dieser nicht ertragen konnte. Jetzt sagte er langsam:

»Ihr heißt Bux, nicht wahr?«