Helene hatte sich mit ihrem Danke gegen beide Männer gewandt gehabt, aber während sie sprach doch immer nur Günther angesehen, und höchstens einmal ihren Blick wie scheu zu seinem Begleiter, aber nie bis zu dessen Antlitz erhoben. Jetzt konnte sie es nicht länger vermeiden, und auch ihm die Hand reichend und tief dabei erröthend, sagte sie, aber nicht mehr so zuversichtlich, als vorher:

»Entschuldigen Sie, mein Herr, aber ich war an jenem Morgen so mit meinem wild gewordenen Thier beschäftigt, daß ich wirklich kaum mehr hörte oder sah, was um mich her vorging – viel weniger denn hätte Personen unterscheiden können. Nehmen auch Sie meinen herzlichsten Dank.«

»Bitte, mein gnädiges Fräulein,« sagte Felix ruhig, indem er die gebotene Hand nahm, leicht an seine Lippen hob und dann wieder los ließ – »machen Sie keine Umstände. Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich dem Pferd nur aus einer Art von alter Angewohnheit entgegen sprang. Ich kann nämlich keine durchgehenden Pferde leiden, und fahre ihnen stets in den Weg, wo ich sie eben treffe.«

»Sie wollen also damit sagen,« lächelte der Director, »daß Sie dem Pferde mehr des Pferdes als der Reiterin wegen in den Zügel fielen.«

»Genau dasselbe,« sagte Felix, sich hoch aufrichtend und den Director ansehend – »mit wem habe ich das Vergnügen?«

»Herr Director von Reitschen,« sagte Günther, ihn vorstellend, und die beiden Männer verbeugten sich vornehm gegen einander.

»Der Herr Randolph hat etwas sehr Anständiges in seinem Benehmen,« flüsterte Baron Jeorgy leise der Frau Gräfin zu, neben der er stand.

»Finden Sie?« sagte die Gräfin und musterte den Fremden mit einem gleichgültigen Blick; sie hatte ihr Auge auch schon wieder von ihm abgewandt, als es noch einmal dahin zurückkehrte und ihn aufmerksamer betrachtete. Wo hatte sie denn das Gesicht schon einmal in ihrem Leben gesehen?

Helene erröthete noch tiefer, als der junge Fremde ihren Dank auf so fast leichtfertige Art zurückwies; sein ganzes Benehmen dabei war aber so achtungsvoll und gewandt, daß sie ihm auch wieder nicht böse sein konnte.

Jeremias störte die Unterhaltung auf sehr directe Weise, indem er ein sehr großes Theebret mit einer Anzahl Tassen und Rahmgießer, Zuckerdose und Rumflasche mitten zwischen die Gruppe hineinschob und auf das Verbindlichste fragte: