»Irgend Etwas gefällig? Bitte, langen Sie zu. Herr von Schwartzau – hurrjeh, jetzt hätten Sie gleich die Rumflasche mit dem Ellbogen heruntergefegt!«
Bald war der Thee allgemein und eben so das Gespräch, denn der Thee verschwemmt eigentlich jede Gesellschaft, und eine ernsthafte oder geistreiche Unterhaltung ist bei häufigem Genuß von Thee kaum möglich. Er schläfert viel mehr ein, als daß er aufweckt, und daher sehr häufig die entsetzlichen Folgen, wenn bei Vorlesungen auch noch Thee umhergereicht wird.
Sehr natürlicher Weise drehte sich aber das Gespräch anfänglich fast ausschließlich um die Tagesbegebenheit – die Auction des Meier'schen Gutes und Eigenthums, den Selbstmord der Frau und den raschen, geheimnißvollen Abzug von Vater und Tochter, der mehr einer Flucht als einer wirklichen Abreise glich. Günther dankte auch Gott im Stillen, daß Könnern die Einladung ausgeschlagen, denn jedes Wort hier wäre ein Messerstich für ihn gewesen.
»Apropos, Herr von Schwartzau,« wandte sich endlich der Director an diesen – »will sich denn Ihr Freund Könnern bleibend bei uns niederlassen? Wie ich erst verstand, war er blos auf einer Durch- oder vielmehr Kunstreise hier. Nach den bedeutenden Einkäufen aber, die er heute, besonders an Möbeln und anderen, schwer zu transportirenden Gegenständen gemacht, sieht es doch viel eher aus, als ob er sich hier eine Wirtschaft und einen eigenen Heerd gründen wolle.«
»Ich muß sehr bedauern, Ihnen darüber keine genaue Auskunft geben zu können, Herr Baron,« sagte Günther, »denn ich selber habe hier das Erste von diesen Einkäufen gehört. Möglich, daß er dazu den Auftrag von Herrn Meier selber bekommen, denn so viel ich weiß, gedenkt jener Herr hierher zurückzukehren. Er hat wahrscheinlich nur das Überflüssige verkaufen lassen.«
»In der That? Und waren Sie näher mit der Familie befreundet?«
»Ganz und gar nicht – ich habe das Haus kurz vor ihrer Abreise zum ersten Male betreten.«
»Sonderbar,« sagte der Director; »es scheint eigentlich Niemand im ganzen Ort zu sein, der sie kennt.«
»Ich weiß Niemanden. Sie haben wenig oder gar keinen Umgang mit Fremden gehabt.«
»Und weshalb die Frau den Tod könnte gesucht haben?«