»Und bist Du's wirklich, Bernard? – Ist es nicht Dein Geist, der nur gekommen, um mich in meinem größten, furchtbarsten Schmerz zu trösten?« hauchte Elise und drückte ihn wie scheu und furchtsam von sich.

»Wer ist der Fremde, Lieschen?« fragte der alte Mann und wandte bestürzt den Kopf der Thür zu.

»Ein Freund,« sagte Könnern, die Geliebte mit dem linken Arm umschlingend, indem er sie mit der rechten stützte – »ein Freund, der nicht mehr von Elisens Seite weichen wird, so lange sie ihn selbst nicht von sich stößt!« »Lieschen!«

»Vater!« rief das Mädchen, wand sich aus Könnern's Arm, flog an seine Seite und barg ihr Haupt wieder an seiner Schulter.

Der alte Mann lag still und regungslos; er hatte die Augen geschlossen, und nur das leise Athmen seiner Brust verrieth, daß er noch lebe. Endlich schlug er die Augen wieder auf. Sein Blick fiel auf das zu ihm niedergebeugte, schmerzbewegte Gesicht des jungen Mannes.

»Herr Gott, ich danke Dir,« sagte er leise – »Lies–chen, leb' – wohl – sei glücklich – Gott segne Dich« – und wie er noch einmal seine Hand auf ihr Haupt legen wollte, sank sie ihm herunter – er war todt. – –

Draußen im Walde hielt Rottack neben dem gebundenen Verbrecher Wache, der jetzt still und verstockt am Boden lag und mit den Zähnen knirschte. Wohl hatte er schon vorsichtig versucht, die Bande von seinen Armen zu streifen, aber die Schleife, welche Könnern gezogen, saß zu fest, und als sein Wächter es merkte, drohend den Gewehrkolben hob und ihm versicherte, er würde ihn bei dem geringsten Fluchtversuche zu Boden schlagen, lag er still. Er trotzte noch darauf, daß die beiden Fremden hier im Wald nicht im Stande sein würden, ihn gebunden zu transportiren, und baute für die Nacht seine Pläne zur Flucht.

Da rief unten vom Weg eine Stimme ihr »Hallo«, und als Rottack darauf geantwortet, brachen und rauschten die Büsche, und der Brasilianer stand im nächsten Augenblick vor der Gruppe.

»Ei sieh' da,« sagte er, einen Blick auf den am Boden Liegenden werfend, »das scheint ja ein sauberer Patron, der hier im Sprenkel hängt! – Wie geht's, Fremder? Wollt Ihr Euch den mit in die Colonie nehmen?«

»Er hat einen Mord verübt,« sagte Rottack, nachdem er den Gruß des Alten erwiedert – »und da sind wir hinter ihm drein und haben ihn da oben im Wald, wo er wahrscheinlich vom Wege abschnitt, um nicht verfolgt zu werden, erwischt. Aber wo ist mein Kamerad?«