Die Neger sprangen lachend auf den Gebundenen zu, der in Angst und Entsetzen auffuhr und sich den Hang hinabwerfen wollte; aber die Leine, mit der er an den jungen Stamm befestigt war, warf ihn zu Boden, und wenige Minuten später fand er sich machtlos in der Gewalt der beiden riesigen Schwarzen, die ihn wie ein Kind zwischen sich nahmen und hinabschleppten. –
Eine Stunde später etwa kam Rottack mit der armen, in Thränen aufgelösten Frau und den Kindern, die vor Angst und Bangen sprachlos schienen, hinunter zur Chagra. Es war ein schweres Amt für ihn gewesen, den Jammer der Frau mit anzusehen und sich dabei sagen zu müssen, daß er eigentlich die Mitschuld daran trage; aber es konnte auch nicht umgangen werden, denn die so schon unglückliche Frau durften sie hier nicht allein und hülflos mitten in dem fremden Walde zurücklassen; sie wäre mit den Kindern verdorben. Was aber in seinen Kräften stand, sie zu trösten, that er. Er gab ihr vor allen Dingen alles Geld das er bei sich führte, und versprach, für sie in Santa Clara zu sorgen, auch ihre Kinder unterzubringen – sie ginge jetzt einem bessern Leben entgegen, als sie an der Seite des Verbrechers geführt – die Colonisten in Santa Clara würden sich ihrer annehmen, und sie solle außer Sorgen für die Zukunft sein. Er nahm ihr auch das kleinste Kind ab und trug es selber, daß sie leichter vorwärts kam, und that alles Mögliche, nur erst einmal ihre Thränen zu stillen. Es war ihm furchtbar, wenn er einen erwachsenen Menschen weinen sah.
So erreichten sie endlich die Chagra, der junge Graf noch immer das schreiende Kind auf dem Arm, als ihm Könnern entgegensprang.
»Graf Rottack, Sie als Kinderwärter?« sagte er lächelnd, indem er vor ihm stehen blieb, »und doch steht es Ihnen gut – Sie haben ein schweres, schweres Amt gehabt!«
»Allerdings,« seufzte der junge Mann, indem er einer auf ihn zukommenden Negerin das Kind übergab – »da, mein Schatz, sei Du so gut und sieh einmal zu, ob Du den Schreihals stopfen kannst, der Außerordentliches auf dem Weg hierher geleistet – und daß die arme Frau da Etwas zu essen bekommt. Ich fürchte fast, daß ihre Hauptkrankheit der Hunger ist. – Aber was ist denn mit Ihnen vorgegangen, Könnern? – Ihr Gesicht strahlt ja ordentlich vor Seligkeit!«
»Rottack – Rottack,« rief Könnern, seine Hand ergreifend – »ich habe sie gefunden!«
»Sie – so?« sagte der junge Graf in komischem Erstaunen; »so viel ich weiß, hatte ich sie gesucht, und Sie hatten es nur mit einem ihn zu thun.«
»Elise mein' ich.«
»Elise? – des alten Meier Tochter?«
»Sie ist hier – hierher geflüchtet; ihr Vater wurde krank, und ist eben in ihren Armen verschieden.«