»Oho – noch ein Frischer? Also importirt ihr derartige Sorte auch nach Brasilien? Für die ist's aber kaum der Mühe werth, daß der Staat Passage bezahlt, denn es kostet ihm nachher immer noch außerdem einen Strick. – So sagt Ihr ihm einmal auf gut Deutsch, daß er gutwillig mitgeht, sonst kann ich es ihm doch vielleicht auf Brasilianisch begreiflich machen.«

Er nahm dabei sein schweres Buschmesser aus dem Gürtel, hieb einen jungen Stamm ab und hackte, noch während er sprach, die Äste davon herunter.

Bux hatte dem Gespräch der Männer in der ihm unverständlichen Sprache mit scheuem Blick gelauscht. So lange er sich noch allein in den Händen der Deutschen befand, schien ihm seine Lage immer nicht zum Äußersten gefährlich. Jetzt zum ersten Mal überkam ihn der Gedanke an die Strafe, der er entgegenging, überkam ihn zugleich die Angst davor.

»Steh' auf,« sagte Rottack zu ihm; »Du wirst einsehen, daß Dir weiteres Sträuben Nichts hilft, und Du kannst höchstens Deine Lage noch verschlimmern.«

»Landsmann,« sagte Bux mit heiserer, angstgepreßter Stimme, »Ihr werdet mich nicht den Fremden übergeben – ich – ich will ja Alles gestehen – ich bin ein armer Teufel – der Böse plagte mich – der Justus war auch ein schlechter Kerl – er hat mich verführt – er reizte mich. – Landsmann,« bat er dringender, als sich Rottack mit Ekel von ihm abwandte, indem er sich auf die Kniee warf und die gebundenen Hände zu ihm aufhob – »laßt mich laufen – ich will ein ordentlicher, braver Kerl werden – ich will meine Frau nicht mehr prügeln und die Kinder – ich will arbeiten, daß mir das Blut unter den Nägeln vorspritzt – Landsmann, habt Barmherzigkeit – Barmherzigkeit!« – und er schrie die letzten Worte in Todesangst gellend heraus.

»Die suche Dir bei Gott,« sagte Rottack erschüttert – »Deinetwegen sitzt schon ein unschuldiger, braver Mann die ganze Zeit, und der muß frei werden. Komm, wir haben keine Zeit mehr zu versäumen.«

Unten auf dem schmalen Waldwege knarrten Räder, und der Brasilianer, der einen Blick hinabgeworfen, pfiff auf seinem Finger. Bei dem Karren gingen vier Neger, die Bauholz zu einer neuen Scheune im Walde geschlagen. Drei von ihnen kamen den kleinen Abhang heraufgesprungen.

»Werft einmal Euer Holz ab,« sagte der Brasilianer, »und ladet den Burschen hier auf; fahrt ihn aber nicht zum Hause, sondern in den kleinen Schuppen drüben bei den Kaffeebäumen, daß ihn meine Frau und die Kinder nicht zu sehn bekommen. Du, Joao, springst hinauf – wo ungefähr sind Ihre Pferde mit der Familie des Burschen da?«

»Etwa in dieser Richtung,« sagte Rottack, mit dem Arm aufwärts deutend – »aber die Frau versteht kein Portugiesisch, ich will lieber mit den Leuten gehen; wenn Sie nur so lange die Bewachung des Verbrechers übernehmen wollen.«

»Für den steh' ich gut. Also Du gehst mit dem Senhor dort hinauf, und thust was er Dir sagt; und Ihr Beiden packt einmal den Gesellen da auf, wenn er nicht gutwillig gehen will, und werft ihn auf den Karren.«