»Nichts Besonderes, daß ich wüßte,« erwiederte der junge Mann, gerade nicht in der Stimmung, eine Unterhaltung mit seinem Besuche anzuknüpfen.

»Was der Lene in den Kopf gefahren ist,« nahm Oskar das Gespräch auf, der die Niedergeschlagenheit seines Gesellschafters natürlich auf diese Quelle zurückführte – »das weiß der Henker! Das Mädel muß übergeschnappt sein, denn sie nimmt meinen Besuch nicht einmal mehr an. Was sagen Sie dazu?«

Herr von Pulteleben antwortete nicht, er war entschlossen den jungen Grafen todtzuschweigen.

»Die Alte steckt dahinter,« fuhr Oskar aber trotzdem, und etwas unehrerbietig diese »Alte« auf die Frau Gräfin beziehend fort – »so viel ist sicher, und Sie müssen durch irgend Etwas bei ihr in's Fettnäpfchen getreten haben. Machen Sie nur um Gottes willen wieder Frieden mit ihr, denn das ist ja hier im Hause jetzt gar nicht mehr auszuhalten. Ihr seid Alle unausstehlich, und das Schlimmste dabei, daß man Euch noch dazu Alle einzeln aufsuchen muß, um sich einzeln über Euch zu ärgern.«

Herr von Pulteleben schwieg. Er hatte auch andere Ansichten über die »Alte«, denn von seiner Seite war in der That Alles geschehen, ein mögliches Mißverständniß – wenn er auch nicht wußte, durch was es entstanden sein konnte – aufzuklären. Helene war verändert, seit sie den Brief gelesen hatte, so viel blieb sicher, aber was in dem Briefe gestanden und wie weit er damit in Beziehung stehen konnte, begriff er nicht, wenn nicht – er sprang mit einem Mal von seinem Stuhl auf und lief in der Stube auf und ab, ohne Oskar's Gegenwart weiter zu berücksichtigen. – Hatten sie – es lief ihm mit einem unbehaglichen Gefühl über die Seele – hatten sie vielleicht nach Deutschland geschrieben und von dort aus Nachricht erhalten, daß seine Verhältnisse nicht so glänzend waren, wie er hier zuweilen angedeutet?

»Na, wo brennt's nun wieder?« sagte Oskar, der dem Hausgenossen erstaunt zugesehen hatte.

Herr von Pulteleben war aber schon mit sich einig – er hatte noch nie so schnell gedacht. – Um aus dieser Ungewißheit gerissen zu werden, mußte er, und zwar gleich, mit der Gräfin sprechen. Es war überhaupt nothwendig, daß er sie aufsuchte, denn so konnte ihr Verhältniß nicht mehr fortbestehen, und ein entscheidender Schritt mußte nach der einen oder andern Seite hin geschehen.

»Lieber Oskar,« sagte er plötzlich zu dem jungen Manne – »Sie erlauben wohl, daß ich mich anziehen kann, ich – muß Ihre Frau Mutter sprechen.«

»Ja, ich habe Nichts dagegen,« lachte Oskar – »aber Sie sind ja angezogen.«

»Ich – habe schon einen Spaziergang gemacht und – möchte meine Wäsche wechseln.«