»Da steckt der Schuft, der Bleifuß dahinter,« knirschte der Mann zwischen den zusammengebissenen Zähnen durch; »aber wenn ich die Gewißheit kriegte, dann gnade ihm Gott!«
»Hm,« sagte der Pfarrer, welcher die deshalb umlaufenden Gerüchte schon lange gehört hatte und kannte — »und haben Sie keine Ahnung, wohin sie sich gewandt haben könnte?«
»Keine,« ächzte Pilger; »aber was um Gottes Willen kann ich thun, um sie wieder zu bekommen?«
»Heute Abend gar Nichts,« sagte der Pfarrer; »es ist stockdunkel, und aus dem Tanzsaal bringen Sie Keinen fort — noch dazu, wenn Sie nicht einmal eine bestimmte Richtung angeben können.«
»O, Du großer, allmächtiger Gott!« stöhnte der Mann und preßte die fest zusammengeschlagenen Hände gegen seine Stirn.
»Machen Sie sich keine Sorgen,« sagte der Geistliche, »wenn die Frau Sie auf so leichtsinnige Weise verlassen konnte, so haben Sie auch Nichts an ihr verloren, und den Mosje, den Bleifuß, wollen wir schon kriegen, wenn der wirklich dahinter steckt. Der muß blechen, daß es ihm blau und braun vor den Augen wird.«
»Meine Grethe — meine Grethe!« hauchte der arme Teufel; »daß sie mir die Schande anthun konnte!«
»Es läßt sich heute Nichts mehr machen,« versicherte der Pfarrer — er konnte seinen Eichelsolo nicht länger im Stiche lassen — »gehen Sie ruhig nach Hause — morgen früh komme ich zu Ihnen und da besprechen wir das Weitere« —, und ohne eine Antwort abzuwarten, klopfte er dem Unglücklichen auf die Schulter und ging wieder in das Zimmer zurück an seinen Spieltisch.
Pilger stand noch eine Weile wie vernichtet in der offenen Thür, dann aber lief er noch einmal zurück zu seinem Haus, und als er die Verlorene auch jetzt noch nicht fand, wieder hinaus in die Nacht hinein — er wußte ja selber nicht, wohin.
Unten an der Landung, etwa zweihundert Schritte tiefer als die Boote gewöhnlich lagen, hatte ein kleines Fahrzeug im Schutze dichter Büsche angelegt, und gleich nach Sonnenuntergang waren schon verschiedene Blechkoffer und Kisten hineingeschafft. Vier portugiesische Ruderer, die zu einem der weiter unten ankernden Schooner gehörten, lagen auf ihren Riemen und warteten auf ein verabredetes Zeichen, um den Bug des Bootes, das jetzt ein Stück draußen im Strom ankerte, dicht zum Lande zu schieben. Jetzt pfiff es viermal rasch hintereinander, und während sich das schmale Fahrzeug noch tiefer in die Büsche hineinschob, eilten ein Mann und eine Frau den schräg ablaufenden Hang hinab, gerade auf die Stelle zu, wo dasselbe verborgen lag.