»Wenn man nun unter so praktischen Leuten fortwährend lebt,« lächelte die Gräfin, »so ist es wohl ganz natürlich, daß ein klein Wenig davon auch an unserer Natur hangen bleibt, und ich habe denn auch schon das ganze letzte Jahr nach der und jener Seite hinüber gehorcht, an was man im rechten Augenblicke und mit den rechten Mitteln die Hand legen könnte — ich glaube, ich habe jetzt gefunden was ich suchte.«

»Sie hätten wirklich?«

»Ich habe gefunden und außerdem die genauesten Erkundigungen deshalb eingezogen,« fuhr die Gräfin fort, »daß hier im Lande eine ganz enorme Quantität von Cigarren verbraucht wird, die man sämmtlich mit einem, zu den Kosten des Rohtabaks in gar keinem Verhältnisse stehenden hohen Preise bezahlt.«

»Cigarren?« fragte der Baron erstaunt.

»Nun sind gerade gegenwärtig eine Menge junger Leute hier in der Colonie — und es werden mit dem Schiffe noch mehr erwartet — von denen viele, besonders alle aus Bremen stammende, Cigarren zu drehen verstehen. Hier auf diesem Zettel finden Sie außerdem den Preis guten Blättertabaks genau zusammengestellt, eben so die Löhne für die Fabrikarbeiter, die nach dem Hundert oder Tausend bezahlt werden. Eine Cigarre nur einigermaßen guten Tabaks ist aber hier nicht unter zwanzig Reis das Stück zu bekommen, und nun berechnen Sie selber, welcher enorme Nutzen dem Fabrikherrn werden muß, wenn die Sache nur ein klein Wenig in's Große getrieben wird.«

»Hm,« sagte der Baron, der aber doch nur einen flüchtigen und zerstreuten Blick über das Papier warf, »und mit etwas Derartigem wollten Sie sich befassen?«

»Und warum denn nicht?« sagte die Frau Gräfin, indem sie einer leichten Verlegenheit Meister zu werden suchte. »Wir müssen in der That eine Art von Beschäftigung haben, wenn wir hier nicht vor Langerweile sterben sollen, und Helene sehnt sich so danach, ja selbst Oskar, der jetzt vor lauter Muthwillen gar nicht weiß, was er für Tollheiten angeben soll.«

Der Baron Jeorgy war in der That Nichts weniger auf der Welt als ein praktischer Charakter, der auf einen gewissen Überblick Anspruch machen konnte, um wirklich Ausführbares von bloßen Chimären zu unterscheiden. Hatte er aber schon zu viele bittere Erfahrungen mit ähnlichen Projecten gehabt, oder war es ihm vollkommen unmöglich, sich die Comtesse Helene und den jungen wilden Grafen Oskar als ehrbare Cigarrenmacher zu denken, aber er schüttelte doch ganz ernsthaft und bedenklich mit dem Kopfe und sagte:

»Aber, gnädigste Frau Gräfin, haben Sie sich denn die Sache wirklich schon recht genau überlegt, und vermuthen Sie, daß Sie einen, alle dem Ärger und der Schererei entsprechenden Nutzen daraus ziehen könnten?«

»Mein lieber Baron,« erwiederte die Gräfin lebhaft, »das können Sie sich doch wohl denken, daß ich ein solches Unternehmen nicht entriren würde, wenn ich mich nicht vorher gründlich damit bekannt gemacht. Helene brennt ordentlich darauf zu beginnen, und Oskar selber hat versichert, daß es ihm ungeheuren Spaß machen würde, selber Cigarren zu drehen.«