»Hier wohnt der sonderbare Kauz,« sagte der Director, mit der Hand in das Dickicht zeigend, durch welches das Dach nur undeutlich herausschimmerte. »Wenn mit dem Manne nur irgend ein Umgang wäre, wollte ich vorschlagen daß wir anhielten und ihm wenigstens guten Tag sagten. Schade um das allerliebste Mädchen, das der alte Brummbär hier wie eine Nonne gefangen hält.«
»Eine Brünette?« fragte Könnern.
»Ja,« erwiederte der Director; »aber wie, zum Teufel, haben Sie das schon ausgefunden? Sie sind doch, so viel ich weiß, zum ersten Male in der Colonie.«
»Hätten es die Herren nicht gerade so gemacht wie der vorige Landvermesser,« lachte Könnern, »und die Variation auf der verkehrten Seite der Nadel gesucht, so würden Sie, nur ein paar Striche aus dem Cours, eine allerliebste junge Dame im Walde gesehen haben, die sich da draußen mit irgend einer Lectüre die Zeit vertrieb.«
»Und davon haben Sie uns kein Wort gesagt?« rief Günther.
»Ich durfte Sie doch nicht stören,« lächelte der junge Mann; »übrigens glaubte ich auch, daß wir sie auf dem Wege hierher überholen würden; sie muß sich aber auch sehr geeilt haben, um uns voraus zu kommen.«
»Merkwürdige Leute,« meinte der Director kopfschüttelnd; »aber jedenfalls werden Sie mit dem Alten bekannt werden, Schwartzau, denn Sie müssen ihn aufsuchen, wenn Sie auf seinem Lande die Vermessung beginnen, damit er dabei ist und die Gränzen kennen lernt. Er wird es sich auch wahrscheinlich nicht nehmen lassen, die Eckbäume selber dauernd zu bezeichnen, und das erspart Ihnen gleich eine Arbeit.«
»Dann begleite ich Sie,« sagte Könnern, »ich interessire mich für alle Originale.«
»Besonders wenn es Brünetten sind, wie mir scheint,« lachte der Director; »Sie mögen aber immerhin in diese Gegend einen kleinen Jagdzug machen, denn wenn Sie der dichte Wald nicht stört, finden Sie doch wohl hier und da ein Stück Roth- oder Schwarzwild, oder vielleicht gar einen Tapir, die hier zuweilen ebenfalls vorkommen. Jetzt aber, meine Herren, dürfen wir unsere Zeit nicht länger vergeuden, wenn wir den andern Strich ebenfalls besuchen wollen. Sobald wir weiter oben die ordentliche Straße erreicht haben, können wir auch unsere Thiere besser ausgreifen lassen« — und dem seinigen die Sporen gebend, trabte er, so rasch es ihm der noch ziemlich unebene Boden gestattete, auf dem schmalen Wege hin in den Wald hinein.
So wenig sie aber dabei von den Einwohnern des Platzes gesehen hatten, so waren sie doch nicht eben so unbeachtet daran vorübergeritten, denn der Eigenthümer des Hauses schien sich für alle Fremden lebhaft zu interessiren, wenn er auch nicht mit ihnen in persönliche Berührung kommen wollte.