»Wir haben hier so lange jeden gesellschaftlichen Umgang entbehrt, daß man es uns wahrlich nicht verdenken kann, wenn wir uns freuen, die Einsamkeit, ja Öde einmal durch einen freundlichen Besuch gestört zu sehen.«
»Ich habe es auch nicht anders verstanden, liebes Fräulein,« sagte Könnern mit einem Seufzer, »und doch danke ich Ihnen dafür. Aber Ihre Frau Mutter scheint Sie zu suchen — und dort hält auch der Director schon wieder, mich erwartend, vor der Thür. So rasch ist die Zeit vergangen, und ich glaubte, daß wir erst wenige Minuten im Garten gewesen wären.«
»Leben Sie wohl!« sagte Elise, ihm freundlich und ohne Rückhalt die Hand zum Abschied reichend.
»Leben Sie wohl, liebes Fräulein!« sagte der junge Mann, und er war einen Moment unschlüssig, ob er die ihm gereichte Hand an die Lippen heben solle, aber er bezwang sich, machte ihr eine ehrfurchtsvolle Verbeugung und verließ rasch den Garten.
6.
Zuhbel's Chagra.
Der Director wandte sein Pferd, als er Könnern auf sich zukommen sah, und ritt ihm voran die schmale Straße entlang.
»Nun, wie hat Ihnen die Familie gefallen?« sagte er endlich, als sie sich weit genug von Haus und Garten befanden, um nicht mehr von dort gehört zu werden; »nicht wahr, die Tochter ist nicht so übel?«
»Nein, ein ganz hübsches Mädchen,« sagte Könnern und schämte sich fast vor sich selber dabei, des profanen Urtheils wegen, denn es schien ihm eine ordentliche Entweihung dieses schlichten, unschuldvollen Herzens. Glücklicher Weise verhinderte aber der enge Weg hier eine längere Unterhaltung. Eine Viertelstunde später zeigte ihm der Director das Thal, dem er folgen könne, um einmal den Wald und die Nachbarschaft ein Wenig kennen zu lernen, bezeichnete ihm den Platz, wo er sein Pferd einstellen solle, warnte ihn noch einmal vor einem zu langen Streifzuge, damit er sich nicht doch etwa in den Bergen verirre, und setzte dann seinen eigenen Weg fort, Könnern sich selber überlassend.