»Lieber Freund,« sagte er ruhig, »die Sache ist höchst einfach die, daß Ihr Euch in Antwerpen habt anführen lassen — weiter Nichts. Der Agent dort hatte gerade dieses Schiff liegen und seinem Contracte nach Passagiere dafür zu schaffen; deshalb seid Ihr da mit aufgepackt und fortgeschickt. Zwischen hier und Rio Grande besteht gar keine regelmäßige Verbindung; nur zu Zeiten bietet sich Gelegenheit durch einen der kleinen Küstenfahrer, der Euch nach Santa Catharina bringen könnte. Dort müßt Ihr aber wieder auf ein Dampfschiff. Was außerdem die kleine Entfernung betrifft, so könnt Ihr die Reise nach Santa Catharina vielleicht in vier bis fünf Tagen machen, wenn der Wind gut ist — im andern Falle nimmt sie eben so viele Wochen in Anspruch, und von da sind auch wieder drei bis vier Tage nach Rio Grande nöthig. Außerdem wird Euch diese Tour fast noch eben so viel kosten, als die Reise von Deutschland hierher.«
»Aber Du mein großer, allmächtiger Gott, wir haben ja keinen Pfennig Geld mehr!« schrie die eine Frau.
»Und der Herr Agent hat gesagt, daß uns die Reise von hier nach Rio Grande keinen Heller kosten sollte.«
»Dann hat der Agent einfach gelogen,« sagte der Director ruhig, »und es ist eine Betrügerei, wie sie schon mehrfach vorgekommen.«
»O, Du mein gütiger Heiland,« jammerte eine andere Frau, »dann sind wir verrathen und verkauft und müssen hier elend verderben!«
»Beruhigt Euch, so schlimm ist die Sache noch nicht,« tröstete sie der Director — »wenn Ihr Euch nicht vielleicht doch noch entschließt hier zu bleiben und Euch hier niederzulassen.«
»Aber wir haben unsere ganze Freundschaft bei Rio Grande; meiner Schwester Sohn und der Elias und die Dorothea sind auch drüben und warten auf uns. —«
»Gut, gut, ich sehe jetzt schon wie die Sache steht; ich will einen Versuch machen und an die Regierung nach Rio schreiben, welche schon mehreren anderen armen Auswanderern, die von betrügerischen Agenten in eine ähnliche Lage gebracht worden, geholfen hat, und vielleicht läßt sich doch noch Alles einrichten.«
»Und wann können wir fort?« fragte die Frau rasch — »kommt das Schiff bald?«
»Ja, liebe Frau,« sagte der Director, »so rasch geht die Sache nicht; wenn ich Euch in zwei oder drei Monaten hier wegbringe….«