»Kann ich mir wohl denken,« sagte Bodenlos mit unerschütterlicher Ruhe, ohne selbst die Hände aus den Taschen zu nehmen — »das wünschen sich Mehr, können es aber eben nicht kriegen.«

»Nicht kriegen?« sagte der junge Mann erstaunt — »ich heiße von Pulteleben.«

»Ist mir sehr angenehm, Ihre werthe Bekanntschaft zu machen,« sagte der Wirth — »ich heiße Bohlos, Christian Bohlos; das Lumpenvolk in der Colonie nennt mich aber Bodenlos, bleibt sich indessen ganz gleich, wie wir Beide heißen.«

»Aber ich muß ein Zimmer haben,« sagte von Pulteleben, der noch gar nicht recht wußte, was er aus dem Benehmen des Wirthes machen sollte.

»Natürlich, wenn Sie nicht unter freiem Himmel bleiben wollen,« meinte der Wirth, — »und wenn's regnete, wäre das fatal — besonders für alle die Schachteln.«

»Dann bitte ich nur, daß Sie Anstalt machen,« sagte von Pulteleben, »denn es ist nicht angenehm, hier draußen zu stehen, und ich möchte mein Gepäck los sein.«

»Na, das wäre das Leichteste,« lachte der Wirth — »wenn Sie's nur hier eine Stunde allein draußen stehen ließen. Aber Herr von Bullleben, oder wie Sie gleich hießen, ich will Sie nicht lange hinhalten. Verlangen Sie hier ein Bett, um irgendwo mit Drei oder Vier in einem Zimmer zu schlafen, so denke ich, daß ich es möglich machen kann — ich will mir wenigstens Mühe geben, und Essen genug haben wir im Hause, aber ein Zimmer allein können Sie nicht hier bekommen, weil ich eben keins mehr habe, und andere Gäste hinaus werfen geht eben so wenig. Also damit Basta!«

»Und existirt hier kein anderes Hôtel in der Stadt?« fragte der sichtlich schon sehr Enttäuschte.

»Gegenwärtig nicht,« bemerkte äußerst artig Herr Bohlos; »wenn Sie aber vielleicht noch drei oder vier Monate warten wollen, so wird sich wahrscheinlich ein Rheinbaier hier etabliren und ein Hôtel zur Belle Vue errichten; das Grundstück ist wenigstens schon dazu angekauft.«

Herr von Pulteleben stand in einer wahren Verzweiflung mitten auf der Straße, denn die Ironie dieses gemeinen Menschen, des Wirthes, dem er nicht das Geringste entgegenstellen konnte, ließ ihn noch vollkommen unschlüssig, was er thun solle — erst grob werden und den Burschen dann mit Verachtung strafen, oder das Letztere lieber gleich zuerst thun.