»Bitte,« sagte Oskar, der aus seiner Verwunderung gar nicht herauskam, »geniren Sie sich nicht — mit wem habe ich denn eigentlich die Ehre?«
»von Pulteleben,« sagte der junge Mann, seinen Locken eben den letzten Strich gebend — »um wie viel Uhr wird hier gegessen?«
»Um ein Uhr,« sagte Oskar, durch die Ruhe des Fremden immer mehr darin bestärkt, daß er jedenfalls ein Gast seiner Mutter sein müsse, wenn er auch keinen denkbaren Zusammenhang dazu finden konnte. Wer hätte der Fremde aber sonst sein können?
»Haben Sie eine richtig gehende Uhr?« fragte dieser endlich weiter.
»Ja,« erwiederte Oskar, indem er danach sah; »es wird gleich zwölf Uhr sein.«
»O, desto besser, dann kann ich vorher noch zum Director hinübergehen. Bitte, vergessen Sie nicht, mir das Glas gleich zu schicken.«
»Mit dem größten Vergnügen,« erwiederte Oskar, drückte die Thür wieder in's Schloß, schickte das Mädchen von unten mit einem Glase hinauf und ging dann zu seiner Mutter in's Zimmer, um sich nach dem Fremden zu erkundigen.
Die Frau Gräfin schloß eben ihren letzten Brief, als Oskar das Zimmer betrat, und sah sich nach ihrem Sohne gar nicht um.
»Wer ist denn der Herr, Mama, den Du uns da oben einquartiert hast?« fragte Oskar jetzt; »das scheint ja ein komischer Kauz zu sein!«
Die Gräfin, welche gerade eine Adresse schrieb, drehte erstaunt den Kopf über die Achsel und sagte: