»Wer zum Henker ist denn da oben?« brummte er endlich leise vor sich hin — »dem Jeremias bin ich doch eben mit seinem leeren Karren in der Stadt begegnet und die Dorothea hat keinen solchen Schritt.«
Er horchte noch eine Weile; da es sich aber gar nicht verkennen ließ, daß da oben jemand Fremdes sei, sprang er endlich auf und stieg die Treppe hinauf. Die Thür der sonst immer leer stehenden Kammer war offen und nur angelehnt, und neugierig, wer da oben Etwas zu thun haben könne, stieß er sie noch etwas weiter auf und sah hinein.
Herr von Pulteleben war gerade mit Waschen fertig und stand vor einem der geöffneten Fensterflügel, den er vorläufig als Spiegel benutzte, um sich die wohlgeölten Haare, so gut das eben gehen wollte, zu ordnen. Als er aber das Knarren der Thür hörte, drehte er den Kopf herum, und sah kaum den hereinschauenden Oskar, als er ausrief:
»Ah, da ist doch noch jemand Lebendiges in dem Hause. Wohnen Sie hier?«
»Guten Morgen,« sagte Oskar, der, auf's Äußerste erstaunt den Fremden hier zu finden, bald auf ihn, bald auf seine Koffer und Kasten starrte — »ja wohl wohne ich hier!«
»Wo ist denn nur der Lump von Aufwärter hingekommen?«
»Der Aufwärter?« sagte Oskar, noch immer seinen Augen nicht trauend — »der Jeremias etwa?«
»Ich weiß nicht wie er heißt; er wollte ja gleich wiederkommen. Gehen Sie wieder hinunter?«
»Ich hatte die Absicht,« erwiederte Oskar.
»O, dann sein Sie doch so gut und schicken mir ein Glas zum Zahnputzen herauf. Es ist ja noch gar Nichts eingerichtet. Das scheint eine schöne Wirthschaft hier zu sein!«