»Frau Gräfin, wenn ich auch jenem unglücklichen Jeremias und meinem Schutzgeiste danke, diese mir so liebe Bekanntschaft gemacht zu haben, so fühle ich doch recht gut, daß ich hier, als Ihr Gast, eine sehr unerquickliche Rolle spiele, und je eher ich der ein Ende mache, desto besser. Gestatten Sie also daß ich mich entferne, um mich nach einem andern Quartier umzusehen, und erlauben Sie mir nur — Ihre Güte hat ja meiner Unverschämtheit schon verziehen — daß ich damit nicht gezwungen bin, diese für mich so ehrenvolle und liebe Bekanntschaft ganz abzubrechen. Ich werde mich jedenfalls längere Zeit in Santa Clara aufhalten und würde Ihnen unendlich dankbar sein, wenn Sie mir wenigstens gestatten wollten, Ihnen manchmal meine Aufwartung zu machen.«

»Da Sie nun einmal unser Hausgenosse geworden sind,« lächelte die Gräfin, »so übereilen Sie auch wenigstens Nichts. Es wird Ihnen überdies schwer werden, für den Augenblick eine passende Wohnung in Santa Clara zu finden; bis Sie die aber gefunden haben, bitte ich Sie unser Haus als das Ihrige zu betrachten.«

»Gnädige Frau Gräfin!« rief Pulteleben erstaunt aus.

»Bitte, machen Sie keine Umstände,« fuhr die Gräfin ruhig und freundlich fort, »wir sind hier in Brasilien, wo der Fremde nur zu häufig einzig und allein auf die Gastfreiheit der Bewohner angewiesen bleibt, und es existiren deshalb hier ganz andere Verhältnisse, wie in der alten Heimath. Außerdem sagten Sie uns vorher, daß Sie verschiedene Pläne für Ihre Zukunft hätten.«

»Allerdings,« versicherte der junge Mann, »aber es fehlt mir da freilich noch Kenntniß des Landes, um mein Capital gleich mit Vortheil anlegen zu können, und ich sammle lieber erst Erfahrung.«

»Das ist sehr vernünftig von Ihnen gedacht,« erwiederte die Gräfin; »wo ich Ihnen aber dabei mit Rath an die Hand gehen kann, bitte ich ganz über mich zu disponiren.«

»Sie sind zu gütig, gnädige Frau Gräfin!«

»Wir wohnen schon eine Reihe von Jahren in diesem Lande, und man ist gezwungen, die Verhältnisse genau kennen zu lernen, oft sogar gegen unsern Willen. Doch Sie wünschen jedenfalls eine Cigarre zu rauchen — Oskar, führe den Herrn in den Garten; wir kommen dann ebenfalls hinunter, um dort gemeinschaftlich Kaffee zu trinken.«

Damit standen die beiden Damen auf, grüßten freundlich und verließen das Zimmer, während Herr von Pulteleben in einem wahren Taumel von Seligkeit zurückblieb und jetzt gar nicht oft genug zu Oskar sagen konnte, wie glücklich er sich fühle diese Bekanntschaft gemacht zu haben, wenn er es auch der größten Dummheit verdanke, deren er sich in seinem ganzen Leben schuldig gemacht.

»Na nu werden Sie nicht langweilig,« meinte Oskar — »Apropos, haben Sie etwa eine vernünftige Cigarre bei sich? Das Zeug, was man hier bekommt, ist kaum zu rauchen.«