»Ich kann Ihnen mit einer Havannah dienen,« sagte Herr von Pulteleben, erfreut dem Bruder jenes Engels nur in Etwas angenehm sein zu können.
»Das ist gescheidt,« meinte Oskar — »sie sind doch nicht zu schwer?«
»Nein, sicher nicht — ich selber rauche nie schwere Cigarren.«
»Gut, dann kommen Sie jetzt in den Garten, hier ist eine Hitze, nicht zum Aushalten,« — und seines neuen Freundes Arm ergreifend, schlenderte er mit ihm hinab, um dort den Kaffee und die Damen zu erwarten.
Diese zögerten auch nicht lange, und hatte sich Herr von Pulteleben schon gegen das Ende der Mahlzeit in seiner Umgebung wohl gefühlt, so entzückte ihn jetzt, im wahren Sinne des Wortes, die Natürlichkeit und Liebenswürdigkeit Helenens, die allen Zwang abgeworfen zu haben schien und nach Herzenslust lachte und plauderte.
Helene war wirklich bildschön. Es gab Zeiten, wo ihre so regelmäßigen Züge von einem düstern Ernst beschattet wurden, der ihren Augen etwas Unheimliches, ja Abstoßendes geben konnte. Ihr Mund, wenn fest geschlossen, sah dann ebenfalls, der etwas schmalen Lippen wegen, unschön aus. Wenn aber das lebendige Auge in Scherz, ja Übermuth leuchtete, wenn ihre Zähne, die zwei Reihen aufgezogener Perlen glichen, sichtbar wurden, wenn sich das Grübchen tiefer in ihr Kinn einschnitt und das Lachen auf dem gar so lieben Antlitz spielte, wie das Sonnenlicht auf einem murmelnden Bache, dann konnte man sich wahrlich nicht satt sehen an dem Mädchen, und sie war sich auch ihres Sieges stets so sicher bewußt, daß sie mit ihrer Umgebung machte, was sie eben wollte.
Nur dann und wann verließ sie manchmal die Laube, und von Pulteleben würde noch mehr entzückt gewesen sein, wenn er gewußt hätte, daß sie gerade in dieser Zeit Anordnungen traf, sein Zimmer etwas wohnlicher einzurichten und ein Bett darin aufzustellen. Es hatte das seine Schwierigkeiten, denn die Gräfin war nur nothdürftig auf solchen Besuch eingerichtet, aber es ging doch, und ein paar rasch und geschickt improvisirte Gardinen machten das kleine Gemach noch so viel freundlicher.
Die Zeit, wo der junge Fremde mit der Frau Gräfin allein blieb, wurde dann von dieser benutzt, ihm einen kurzen Überblick über die hiesigen Verhältnisse zu geben, der Herrn von Pulteleben außerordentlich befriedigte. Er ersah nämlich daraus, daß in diesem Lande wirklich nur ein kleines, unbedeutendes Capital dazu gehöre, um, mit kluger Benutzung des Augenblickes, ganz erstaunliche Erfolge zu erzielen. Die Frau Gräfin wußte ihm eine Menge von Beispielen zu nennen, nach denen Leute durch kleine, aber richtige Spekulationen in Stand gesetzt waren, unbedeutend begonnene Geschäfte auf das Großartigste auszudehnen, und sich dann mit einem erworbenen Vermögen nach Deutschland zurückzuziehen, um es dort in Ruhe zu verzehren.
»Sehen Sie, Frau Gräfin,« rief Herr von Pulteleben, durch diese Mittheilungen zu einem vollen Grade von Aufrichtigkeit getrieben, »das ist gerade was ich will. Zu Hause haben sie mir immer vorgeworfen, daß ich unpraktisch wäre, daß ich nie im Stande sein würde, mir aus mir selber eine Carrière zu schaffen. Jetzt will ich doch einmal sehen, ob es nicht möglich ist sie Lügen zu strafen. Sie sollen erleben, mit welcher Energie ich Alles angreife, was ich unternehme. — Wenn ich nur erst wüßte was!«
»Übereilen Sie sich darin nicht, junger Freund,« sagte die Gräfin. »Es giebt zwar eine Menge von Wegen, die zum Ziele führen, aber der eine ist länger als der andere, und wenn man denn doch noch die Wahl hat, warum soll man da nicht suchen den kürzesten zu nehmen? Übrigens seien Sie versichert, daß ich selber schon ein Wenig herumhorchen will. Sie sind uns nun einmal auf so abenteuerliche Weise zugeführt, daß ich ein gewisses Interesse daran nehme.«