»Der neue Director war bei mir, und wollte für etwa ein Conto de Reis Silber; ich habe aber nur ein paar Hundert Milreis im Hause — kannst Du einmal herumlaufen und sehen, wo Du sie auftreibst? — Er giebt ganz gute Banknoten dafür, die eigentlich noch eine Prämie bekommen.«
»Ganz gute Banknoten?« fragte Jeremias aufmerksam werdend.
»So gut wie Silber, oder noch besser. Ich wechselte sie ihm gern ein, wenn ich es nur hätte.«
Jeremias sprang wie der Blitz in die Höhe und in seine Schuhe; da war Hülfe in der Noth.
»Sieh' zu, daß Du es bekommst, und wenn es nur wenigstens ein Theil ist, das Andere schaffen wir dann schon.«
»Ich bring' es hinüber,« sagte Jeremias, und meinte seinen Sack — »also gute Banknoten?«
»Ich tausche sie zu jeder Stunde wieder um, wenn ich's nur selber habe. Kommst Du dann hinüber?«
»In einer Viertelstunde; ich — muß mich nur erst waschen.«
»Gut,« sagte Rohrland — »also, ich verlasse mich darauf. Hier hast Du erst einmal fünfhundert Milreis, und wenn Du noch mehr auftreiben kannst, hol' Dir das Übrige — siehst Du, es sind lauter gute Noten und noch alle neu.«
Er zählte sie ihm vor, wickelte das Packet dann wieder in Papier ein, und legte es ihm auf das Bett. Kaum war er aber fort, als Jeremias die Thür wieder hinter ihm fest verriegelte und in voller Hast seinen Schatz vorholte. — Banknoten — weshalb hatte er denn nicht an die schon lange gedacht, daß er sich immer mit dem schweren Silber herumgequält und die Angst ausgestanden hatte, es zu verlieren — Banknoten — die konnte er in seinen Rock oder in seine Weste nähen, und wer wußte nachher, daß er ein Vermögen auf dem Leibe trug? Aber zählen mußte er vorher, was er hatte, und mit vorsichtiger Hand that er das jetzt auf der Bettdecke, daß die Münzen nicht an einander schlugen. — Und wie das hübsch aussah, als da Alles in einer Reihe vor ihm lag — aber Banknoten waren besser — die klimperten nicht und hatten kein Gewicht, und man brauchte nicht draußen in den Bergen herumzukriechen, um sie einzeln zu verstecken, und nachher alle auf einmal stehlen zu lassen. — Wer nur der Dieb gestern gewesen war, und wie er ihn ausgefunden hatte? Wirklich der Bux? — Aber wie konnte der wissen, daß er Geld im Walde versteckt gehalten? — Es mußte jemand Anders gewesen sein — vielleicht der Schneider, der Justus, der ihn wie Gift haßte? — Er hörte bei dem Gedanken ordentlich mit Zählen auf, und brummte leise vor sich hin: »So eine Canaille, — dem traut' ich's zu.«