Es mochte etwa zehn Uhr am nächsten Morgen sein, als ein einzelner Reiter am Gartenthor hielt, sein Pferd dort befestigte und an das Thor pochen wollte; aber er sah, daß dieses nur angelehnt sei, und betrat den Garten. Es war Könnern, und sein erster Blick flog nach dem Mandelbaum hinüber, an dem er gestern Elisen getroffen. Der Cithertisch stand noch dort mit der Cither, wo sie vergessen und dem Nachtthau ausgesetzt gewesen war — ein kleines Halstuch, das Elise getragen und abgenommen, als es ihr zu warm wurde, lag daneben auf dem Tisch.

Könnern seufzte tief auf; die Brust war ihm so beklommen, er konnte kaum athmen; aber er faßte sich gewaltsam, und schritt auf das Haus zu. Unten traf er das Mädchen, das in der Küche neben dem Heerde saß und roth geweinte Augen hatte.

»Ist Ihr Fräulein zu Hause?« fragte er leise.

»Ja — drin im Zimmer,« sagte die Magd, scheu zu dem Fremden aufsehend, denn das war ja Einer von Denen, die gestern dagewesen, wonach das Unglück über ihr Haus hereingekommen.

»Kann ich sie sprechen?«

»Ich weiß nicht — sie wird wohl Niemand sprechen wollen — das arme Kind — ach, bei uns geht's zu!«

»Sind die Eltern bei ihr?«

»Der alte Herr ist in seinem Zimmer und schreibt,« antwortete das Mädchen, sich die Augen abtrocknend — »er hat die ganze Nacht geschrieben und ist in kein Bett gekommen — und die Frau ist fort — kein Mensch weiß wohin, und sie suchen sie schon seit gestern Abend vergeblich überall. Sie haben 'was Schönes angerichtet, und Gott im Himmel verzeih' Ihnen die Sünde!«

»Ich muß das Fräulein sprechen — gehen Sie hinein — sagen Sie ihr, daß ein Freund da sei, der ihr Trost brächte.«

»Den könnte sie brauchen,« seufzte das arme Mädchen, und erhob sich von der Küchenbank, als die Thür des Zimmers aufging und Elise auf der Schwelle stand. Sie sah todtenbleich aus, war aber vollkommen ruhig und sagte leise: »Kommen Sie herein, Herr Könnern, ich habe Ihre Stimme gehört — ich muß mit Ihnen reden.«