»Das weiß doch der Henker,« murmelte er dabei vor sich hin — »ob ich mich um fünfzig Milreis verzählt habe, oder wo sie hingekommen sind — die Frau Gräfin hat doch den Schlüssel gehabt und das Schloß war unbeschädigt — na ja, das fehlte auch noch, daß das Geld auf die Weise weggeht, es wird so dünn genug, und wenn die versprochenen Wechsel jetzt nicht bald eintreffen, so sitzen wir hier Alle mit einander auf dem Trocknen. Verfluchte Geschichte mit der Cigarrenfabrik — ganz verfluchte Geschichte, und ich will nur wünschen, daß die Leute bald anfangen sich um unsere Producte zu reißen, sonst steh' ich für Nichts.«
Er stützte seinen Ellbogen auf's Knie und schaute lange in tiefen Gedanken in den Koffer hinein. Endlich sagte er, diesen zuschließend und wieder aufstehend:
»Aber was thut's — Thorheit! — ich habe noch die alte Ängstlichkeit von Europa mitgebracht, welche sich erst hier in Brasilien verlieren muß. Eine kleine Weile hält's noch aus — bis dahin kommen ebenfalls Gelder ein, und da meine gnädige Schwiegermutter in spe ihr Capital für das Rittergut mit dem nächsten fälligen Dampfer schon erwartet, so wär' ich ja ein wahrer Thor, wenn ich mir ganz unnöthiger Weise Sorgen machen wollte. Glück muß ein junger Mensch haben, und der Zufall — oder vielmehr dieser verzweifelte Jeremias, der mir heute Morgen meine Kleider noch nicht rein gemacht hat — scheint mich in dieser Familie dem Glück mitten in den Schooß geworfen zu haben; daß ich das aber beim Schopf ergreife, versteht sich von selber.«
»Der Jeremias ist aber wirklich ein Lump,« fuhr er in seinem Selbstgespräche fort, indem er seinen Rock hernahm und ihn selber ausbürstete — »nicht der geringste Verlaß mehr auf den Menschen, und wenn ich ihm nicht wirklich so viel Dank schuldig wäre, ich jagte ihn heutigen Tages zum Teufel!«
Draußen an seiner Thür klopfte es an.
»Wer ist da?«
»Ich bin's,« sagte die Dorothea — »ich bringe das zerrissene Zeug wieder — der Schneider ist die Nacht nicht nach Haus gekommen — er ist auf einen Ball über Land — soll ich's zu einem Andern tragen?«
»Aber das versteht sich doch von selbst!« rief Herr von Pulteleben ärgerlich — »so gescheidt hätten Sie doch gleich sein können.«
»Na, dann mag's auch unten liegen bleiben, bis der Jeremias kommt,« brummte die Alte leise vor sich hin, indem sie die Treppe wieder hinunter stieg — »ich hätte Zeit, den ganzen Morgen in der Stadt herum zu laufen!«
»Schöne Wirthschaft das bei den Handwerkern,« dachte indessen Herr von Pulteleben, indem er seinen Rock anzog und dann in die noch ungewichsten Stiefel fuhr — »muß ihnen doch hier verwünscht gut gehen, daß sie so übermüthig werden — die Nacht auf einem Ball über Land — es wird wahrhaftig alle Tage besser! —«