»Nicht betreten?«

»Nein — doch Sie sollen Alles hören — nur zuerst beantworten Sie mir eine Frage: Wie stehen Sie mit jenem jungen Mädchen? Glauben Sie um Gottes willen nicht, daß es bloße Neugier sei!«

»Sie brauchen keine Entschuldigung und ich kein Geheimniß für einen ehrlichen Handel,« sagte Könnern erröthend. »Ich liebe Elisen von ganzer Seele — heute Morgen habe ich ihr das Geständniß meiner Liebe abgelegt und bin ihrer Gegenliebe sicher — wir waren auf dem Wege zum Hause, um die Einwilligung ihrer Eltern einzuholen, als Sie an die Thür klopften.«

»So haben Sie mit Elisens Eltern noch nicht gesprochen?« rief Günther rasch.

»Mißdeuten Sie meine Worte nicht, Günther,« erwiederte Könnern ruhig — »welcher Art auch Ihr Geheimniß sei, ich halte mich fest gebunden an das Mädchen, dem ich mit Leib und Leben zugehöre!«

Günther seufzte tief auf und schwieg für wenige Augenblicke; endlich sagte er herzlich: »Sie haben mir einfach und wahr geantwortet, Bernard, und es soll Sie nicht gereuen. Eben so klar und aufrichtig will ich Ihnen jetzt Alles mittheilen — aber lassen Sie uns zu unseren Pferden gehen; wollen Sie nachher unmittelbar zurückkehren, steht es ja immer in Ihrer Macht.«

»Und was wollten Sie mir sagen?« fragte Könnern, der jetzt an des Freundes Seite, ihre Pferde am Zügel führend, langsam den Weg hinabschritt — »Sie müssen begreifen können, in welche Unruhe mich jene eben erlebte Scene versetzt hat.«

»Ich begreife es,« sagte Günther ruhig, »und will dabei so kurz als möglich sein, denn nur die Umrisse meiner Mittheilung haben Interesse für Sie. Erinnern Sie sich noch, daß ich Ihnen früher einmal erzählte, wie ich in Deutschland mein ganzes Vermögen durch den Bankerott eines Kaufmannes verlor?«

»Ich erinnere mich dessen.«

»Eben im Begriffe, zu heirathen, zertrümmerte dieser furchtbare Schlag alle meine Hoffnungen. Meine Braut war arm, ich selber besaß Nichts mehr auf der weiten Welt als meine Kenntnisse, die mich aber in Europa nicht über Wasser gehalten hätten. So nahm ich den Kampf mit dem Leben auf und ging nach Brasilien, um hier von vorn zu beginnen. Wie ich hier gearbeitet habe wissen Sie, und ich stehe jetzt im Begriff, mit meinem erworbenen kleinen Capital nach Deutschland zurückzukehren und mein wackeres Mädchen, das treulich für mich ausgeharrt hat, zu heirathen.«