»Schon gut, Jeremias — hier ist eine Kleinigkeit für Deinen letzten Monat und die heutige Arbeit…«

»Aber Herr Director!« rief Jeremias ordentlich erschreckt, als ihm Sarno eine ganze Hand voll Milreis in den Hut warf — »das kann ich ja gar nicht nehmen — ich bin so den letzten Monat schmählich faul gewesen — das müßte mir ja auf der Seele brennen!«

»Dann betrachte es als Strafe,« lächelte Sarno — »und nun Adieu, Ihr lieben Freunde, die Ihr noch bis zuletzt bei mir ausgehalten habt. Adieu, Könnern, Adieu, Schwartzau, auf Wiedersehen in Rio!« und in das Boot springend, gab er das Zeichen zum Abstoßen. Die Ruderer ließen ihre Riemen einfallen; der Bug des trefflich gebauten Bootes fiel vom Lande ab, und während noch ein freundliches Lebewohl herüber- und hinübergewinkt wurde, schoß das kleine Fahrzeug seine Bahn entlang dem Dampfer zu.

Hinter ihm aber folgte ein anderes kleineres, von vier Soldaten gerudert, welches den Befehl gehabt zu warten, bis der bisherige Director unterwegs sei. Es brachte die Briefe und Depeschen des neuen Directors an Bord.

Herr von Reitschen hatte sich dem Abschied von seinem Vorgänger entzogen.


10.

Bux & Comp.

Könnern und Günther waren zusammen Arm in Arm in der Richtung nach Bohlos' Hotel, wo sie jetzt wohnten, zurückgegangen, und Jeremias folgte ihnen in einiger Entfernung mit dem leeren Karren. Er hatte das erhaltene Silber in seine Hosentasche gesteckt und fühlte von Zeit zu Zeit danach, sah sich auch wohl manchmal in der Straße um, ob ihm das Gewicht nicht etwa die Tasche zerrissen hätte und er jetzt, zum Besten der Colonisten, Milreis auf den Weg streue. Unterwegs aber, als er sich ziemlich allein sah, blieb er stehen, hob seine Tasche etwas mit der rechten Hand und sagte leise vor sich hin:

»Verwünscht schwer geworden heute — kann's wahrhaftig nicht mehr länger so am Beine herumtragen und muß wieder einmal damit auf die »Bank« gehen — und kann ich abkommen? Hm! Bei meinem jungen Herrn Grafen die Pferde abreiben, denn die werden wieder schön abgehetzt nach Hause gekommen sein — aber das kann warten — thu' ich hernach beim Füttern — bei Bodenlos sollte ich heute Flaschen spülen — das hat auch bis morgen Zeit — beim Baron die Pfeifen rein machen — er mag heute noch einmal aus einer alten rauchen — und beim Tischler Bitter — Donnerwetter, der hat heute Kindtaufe und dem sollt' ich den Kuchen vom Bäcker holen, das hab' ich doch in den Boden hinein vergessen! Na, jetzt ist's doch zu spät und er wird sich ihn nun wohl selber geholt haben, der Kindtaufsvater — man kann ja auch nicht an Alles denken, und heute ist's überhaupt zugegangen wie in Sodom und Gomorrha. Also abgemacht — zuerst geh' ich auf die Bank und deponire meine Capitalien — dann müssen vor allen Dingen die Pferde besorgt werden, und nachher — ach was, nachher ist Feierabend und morgen noch ein Tag!« — und damit hakte er sein Tragband wieder ein und zog den Karren pfeifend die Straße hinauf und der Stelle zu, wo er ihn gewöhnlich unterstellte — in einem von Bohlos' Schuppen. — —