Oben vor seinem Hause stand Justus Kernbeutel, und zwar heute, mitten in der Woche, in seinem Sonntagsstaat, einem blauen Frack mit gelben Knöpfen, einem Paar großcarrirter Hosen, gelber Piquéweste, einer hellblauen seidenen Halsbinde und einem zwar etwas abgetragenen, aber doch wieder sorgfältig abgebürsteten Hut auf, ein kleines spanisches Rohr mit einem großen geschliffenen Glasstein als Knopf unter dem Arm, und jedenfalls gerade im Begriff, irgend einen wichtigen Besuch zu machen — denn zu einem Spaziergang brauchte er sich nicht so anzuziehen.
Die Straße herauf kam ein junger Mann im Schritt angeritten; er war in die gewöhnliche Tracht der dortigen brasilianischen Farmer gekleidet, mit breitrandigem Strohhut auf, und gerade als sich Justus zum Gehen wandte, rief er ihn an: »He — holla — halt, Freund!«
Justus drehte sich um und wartete auf ihn, und als er herankam, sagte er weiter Nichts als: »Und?«
»Ihr wollt ausgehen?« fragte der junge Mann — »da komme ich gerade zur rechten Zeit. Ist mein Rock fertig?«
»Morgen,« sagte Justus in größter Gemüthsruhe — »nur noch die Knöpfe anzusetzen.«
»Ei zum Henker, Mann, das hättet Ihr dann aber auch noch vorher thun können! Ich brauche den Rock heute Abend und werde nun schon drei Wochen immer von Tag zu Tag darauf vertröstet. Wenn Ihr nicht arbeiten wollt, so sagt's doch lieber gleich heraus und habt die Leute nicht zum Narren.«
»Hoho,« rief Justus, »nur nicht so vornehm, Herr Köhler — hier in Brasilien thut Jeder, was ihn freut, und ein Künstler läßt sich nun einmal gar keine Vorschriften machen.«
»Ach was, Künstler,« rief Köhler ärgerlich, »wenn die Schneider auch noch Künstler werden, nachher hörts auf!«
»Ich verbitte mir alles Schimpfen!« rief Justus und wurde ganz roth im Gesichte.
»Holla, zankt Euch nur nicht,« lachte ein Vorübergehender, der Wirth Buttlich; »Ihr Deutschen sollt ja einig sein, wißt Ihr denn das nicht? Ist ja eine ganz alte Geschichte —« und vergnügt vor sich hinpfeifend, schlenderte er in eine Nebenstraße hinein.