Und die beiden Freunde gingen langsam die Straße hinunter und dem Hause zu, in welchem der besagte Herr wohnte.
Da hörten sie rechts von sich in einer engen Seitengasse lautes Jubeln und Singen, und als sie erstaunt stehen blieben, um dem ungewohnten Geräusch zu horchen, sahen sie einen kleinen Trupp Menschen den engen Weg herunter kommen, die auf das Wunderlichste aufgeputzt gingen.
Es waren etwa zehn oder zwölf junge Burschen; von vielleicht achtzehn oder neunzehn Jahren, Bauernsöhne wahrscheinlich ihrem ganzen Aussehen nach, die, von irgend einem Gelage kommend, mit gerötheten Gesichtern und fröhlich und keck blitzenden Augen Arm in Arm durch die Straßen wanderten. Sie trugen auch noch ihre heimischen Bauerntrachten, kurze Jacken und lederne Hosen, aber dazu aufgekrämpte Hüte mit künstlich gemachten ordinären Blumen daran, mit Glasperlen und unächtem Schmuck, und auf den Schultern einläufige Pirschbüchsen oder Doppelflinten, und Hirschfänger an den Seiten, als ob sie zu irgend einem Freicorps gehörten und augenblicklich in den Krieg ziehen wollten. Dazu sangen sie – mit oder ohne Harmonie, was kam darauf an, – ein wildes, jubelndes Lied, und neugieriges Volk hatte sich ihnen von allen Seiten angeschlossen, so daß die Menschenmenge die ganze Straße füllte.
Behrens und Andres blieben stehen um sie vorbei zu lassen, und als sie näher kamen, konnten sie auch Beide die Worte des Liedes unterscheiden, die ihnen bald keinen Zweifel mehr ließen, wen sie vor sich hätten.
»Halli, Hallo! Brasilien ist nicht weit von hier,
Halli, Hallo! Brasilien ist nicht weit.«
klang der Refrain, und bald darauf setzte wieder eine tiefe Baßstimme in Solo ein:
»Ade, ade, mein liebes Vaterland,
Ade, ade, nun lebe ewig wohl!
Was fragen wir nach Gut und Geld,
Wir wandern fröhlich in die Welt,
Brasi–lien ist unsre Seligkeit!
Halli, Hallo! Brasilien ist nicht weit von hier!
Halli, Hallo! Brasilien ist nicht weit!«
Es war ein ganz eigenes Gefühl das Behrens durchzuckte, als er die Worte hörte, die ihm wie aus der eigenen Seele heraustönten, und fast unwillkürlich rief er die ihm Nächsten an: »Heda, Kameraden, – wollt Ihr auch nach Brasilien?«
»Auch nach Brasilien? na, versteht sich,« lachte einer der jungen Burschen zurück, indem der Schwarm Halt machte. »Gehst Du auch mit, Kamerad? Das ist Recht. Halli, Hallo! Brasilien ist nicht weit von hier!«
»Na,« seufzte Behrens, »weit ist's doch wohl, aber was kann's helfen; die Reise nimmt ja auch einmal ein Ende.«