»Da hast Du Recht, alter Junge!« jubelte Einer der Burschen, »und nachher leben wir, wie der liebe Gott in Frankreich. Mit welchem Schiff gehst Du?«
»Ja, ich weiß noch nicht,« sagte Behrens, über die vertrauliche Anrede des jungen Volks weniger erstaunt, als über die bestimmte Voraussetzung seiner Reise, denn des Doctors abmahnende Worte hatten ihn doch wieder ganz schwankend gemacht.
»Und von welchem Hafen aus?«
»Doch wohl von Antwerpen, wie der Ort heißt.«
»Hurrah, ein Reisegefährte!« jubelte die Schaar. »Komm her, daß wir Eins zusammen trinken. Nun hat die elende Schinderei daheim ein Ende, und wir kommen ins Paradies.«
»Ins Paradies?« Das stimmte freilich nicht mit dem, was Behrens von dem Doctor gehört, aber er konnte auch nicht der fröhlichen Einladung folgen, denn geschenkt mochte er nichts nehmen, und Geld zum Vertrinken hatte er noch nie im Leben gehabt.
»Ich kann nicht,« sagte er deshalb freundlich, »ich muß erst noch meinen Contract in Richtigkeit bringen, daß ich mit komme; aber wohin geht Ihr?«
»In den Löwen; so komme nachher hin, daß wir den Abend beieinander sind! Hurrah, Brasilien soll leben!«
Und mit dem Halli, Hallo! des neu beginnenden Liedes setzte sich die Schaar wieder in Bewegung und marschirte die Straße hinab, dem ihrem neuen Reisegefährten bezeichneten Wirthshaus zu.
Behrens blieb mit seinem Begleiter, als ihn die Schaar verlassen hatte, noch eine ganze Weile wie betäubt auf der Straße stehen, denn wie ein Traum, wie ein Gruß aus der fernen, fabelhaften Welt, die er bis jetzt nur in seinen Träumen gesehen, kam ihm das Ganze vor. Ein Paradies! – und er selbst war im Begriff, dorthin aufzubrechen, – aber wer hatte nun Recht? Das junge, jubelnde Volk, vor dem das Leben noch offen lag und ihm nur seine bunten Bilder zeigte, oder der alte mürrische Herr, der voll Mißtrauen hinausblickte? Behrens wußte es nicht, und nur unwillkürlich legte er seine Hand wieder in Andres Arm und schritt mit ihm die Straße hinunter, dem Hause des Auswanderungsagenten zu.