»Wollen Sie zu der Auswanderungs-Agentur?«

»Ja wohl«, nickte Behrens.

»Na, da kommen sie nur hier herein, – hier ist's.«

Beide betraten das Zimmer. Es war ein nicht sehr großes und etwas düsteres Gemach. In der Mitte stand ein hohes, doppeltes Schreibpult aus polirtem Erlenholz, an dem an jeder Seite zwei Menschen arbeiten konnten, und an den Wänden waren eine Menge Gefache angebracht, in welchen die verschiedenartigsten Dinge lagen: kleine Broschüren, Papiere, etiquettirte Flaschen, Packete und Gott weiß was sonst noch. An den Wänden aber hingen, wo nur noch irgend ein Platz frei geblieben, Fahrpläne von Eisenbahnen und Dampfschiffen, eine große Karte mit den beiden Erdhälften und andere von Australien, Südamerika, Brasilien, Nordamerika, Rußland und Ungarn, denn Herrn Kollboeker's Thätigkeit war eine sehr ausgebreitete, und er schaffte Menschen fort, wohin sie eben wollten, oder – wohin er sie gerade bereden konnte. Hatte er doch intime Verbindungen in allen Theilen der Welt, wenn er auch alle Theile der Welt nur dem Namen nach kannte.

Herr Kollboeker selber war leider gerade nicht zu Hause, und die beiden jungen Herren im Comptoir, – wahrscheinlich ein paar Lehrlinge, junge, aufknospende Auswanderungs-Agenten, die ihren Ehrgeiz darin setzten, später ebenfalls ein volles Schiff unter Segeln über ihrer eigenen Thür gemalt zu sehen, – schienen die freie Zeit benutzt zu haben, um an die Fenster zu hauchen und unmögliche menschliche Figuren darauf zu zeichnen. Beide trugen aber Federn hinter den Ohren, als Zeichen, daß sie jeden Augenblick zu deren Dienst bereit wären, und der Ältere von ihnen, der den Beiden auch die Thür geöffnet hatte, nahm jetzt das Wort und sagte: »Nun, Gevatter, wie geht's? Wollt Ihr nach Amerika oder nach Australien und Gold graben? Jetzt ist die Gelegenheit günstig; in der nächsten Woche geht ein Schiff.«

»Ist Herr Kollboeker nicht zu Haus?« frug Behrens, der durch die vertrauliche Anrede »Gevatter« etwas stutzig geworden war, denn er hatte den jungen Burschen, so weit er sich erinnerte, noch in seinem ganzen Leben nicht gesehen.

»Nein, Herr Kollboeker ist ausgegangen. Kann ich es nicht besorgen, wenn Ihr über irgend etwas Auskunft wünscht?«

»Ich weiß doch nicht,« sagte Behrens, »ich – ich komme wegen der Reise nach Brasilien.«

»Nach Brasilien, so? Wo seid Ihr denn her?«

»Von Groß-Emmen.«