»Ja, in der Woche gewiß – aber doch Sonntags« –

»Dummes Zeug – glaubt Ihr denn, daß in Brasilien Sonntags gearbeitet wird?« rief Herr Kollboeker – »das ist ja ein streng katholisches Land und hat noch außerdem eine Masse Fest- und Feiertage, die Euch ebenfalls zu Gute kommen –«

»Danke Ihnen,« sagte der Mann – »aber von einem Gärtchen steht kein Wort drin, – ein klein Stückchen Land müßte unser Einer doch haben, damit er sich selber ein wenig Gemüse bauen und ein paar Hühner und Schweine halten könnte. Das haben wir ja sogar hier in Deutschland gehabt, wo das Land so theuer ist.«

»Du lieber Gott,« lachte Herr Kollboeker gerade heraus – »das macht Euch doch etwa keine Sorge – ein Stück Land, wo der ganze Acker ein paar Thaler kostet? Lieber Freund, das sollt Ihr haben, und das will ich Euch, auf eigene Verantwortung auch noch in den Contract setzen, in sofern Euch das beruhigen sollte. Gebt einmal her – da ist ja gleich noch Platz. »Der besagte Carl Gottlieb Behrens erhält von seinem neuen Brodherrn auch noch ein Stück Land zur eigenen Bebauung angewiesen, um sich darauf einen Garten anlegen zu können.« So, seid Ihr jetzt damit zufrieden?«

»Ich danke Ihnen recht vielmals, Herr Kollboeker, damit ist mir ein großer Stein vom Herzen. Wissen Sie, unser Einer ist an sein kleines Gärtchen gewöhnt, und es würde uns hart anthun, wenn wir es in dem fremden Land missen sollten.«

»Ei versteht sich von selbst, Behrens, versteht sich von selbst; aber Ihr müßt mich entschuldigen – ich habe noch sehr viel zu thun. Wenn Ihr also weiter nichts zu bemerken habt, so könnt Ihr ja den Contract unterschreiben und da lassen – da ich doch morgen Briefe nach Antwerpen schicke.«

»Ja, Herr Kollboeker,« sagte Behrens etwas bestürzt, denn das kam ihm zu rasch, und so weit war er noch nicht einmal mit sich im Reinen, ob er überhaupt gehen wollte oder nicht, »so geschwind geht's doch freilich nicht. Es ist gar so ein wichtiger Schritt, den ich vorher noch reiflich mit meiner Alten überlegen möchte.«

»Na ich dächte, Ihr hättet Zeit genug zum Überlegen gehabt, aber wie Ihr denkt; ich wäre der Letzte der Euch dazu drängte, denn was hab ich dabei, ob Ihr geht oder da bleibt; mir kann's einerlei sein. So überlegt Euch denn meinetwegen die Sache noch eine ganze Woche lang, bis Ihr selber abreist, und wenn Ihr wollt, könnt Ihr den Contract auch erst in Antwerpen selber unterschreiben, wenn Ihr einmal das Schiff gesehen habt. Das bleibt sich gleich, und bei uns geht Alles offen und ehrlich zu, aber in einer Sache kann ich Euch nicht helfen, wenn Ihr überhaupt mitwollt, – heute ist Mittwoch, bis morgen Abend spätestens muß Euer Gepäck, was Ihr unterwegs mitnehmen wollt, d. h. die großen Kisten, hier sein. Kleinigkeiten könnt Ihr bei Euch behalten, denn übermorgen früh mit dem Packzug um acht Uhr, geht Alles, was ich zu befördern habe, nach Antwerpen ab, um gleich verladen zu werden.«

»Morgen Abend schon?«

»Ja, spätestens,« sagte Herr Kollboeker, »denn wegen Euch allein und extra kann ich doch keine Fracht abschicken; das sieht ein Kind ein. Alles was später kommt, müssen die verschiedenen Eigenthümer auf ihre eigenen Kosten transportiren lassen, und viel später hilft's ihnen nicht einmal mehr was, denn wenn das Schiff erst einmal geladen ist, dann werden die Luken zugemacht und versiegelt, damit unterwegs nichts wegkommen kann, und dann wird keine Fracht mehr angenommen. – Sind Sie denn noch nicht mit den paar Briefen fertig, Meier, das dauert ja eine wahre Ewigkeit.«