Der alte Herr sah ihm zu, nahm dann, als Behrens fertig war, das Document und streute blauen Sand über den frisch und etwas dick geschriebenen Namen, faltete es nachher zusammen und legte es auf sein Pult.
»Ja aber,« sagte Behrens etwas verwundert, »bekomme ich denn das Papier nicht wieder?«
»Das muß der Capitän haben, um zu sehen ob die Anzahl der Personen trifft,« sagte der alte Herr, »an Bord wird man es Euch nachher wiedergeben,« und als ob Behrens nicht weiter auf der Welt existire, drehte er sich von ihm ab, und beschäftigte sich wieder mit seiner früheren Arbeit.
Der junge Mann zupfte dabei Behrens am Ärmel, daß er ihm folgen möge, und Beide schritten wieder, ohne daß der Alte des Bauern Gruß erwidert oder nur bemerkt hätte, durch den langen Saal hinaus ins Freie.
Von jetzt an hatte Behrens aufgehört selbstständig zu handeln, und war einzig und allein auf die Hülfe fremder Leute angewiesen. Aber gutes kräftiges Essen bekamen sie wenigstens in dem Wirthshaus, wie es die Familie seit Jahren, vielleicht in ihrem ganzen Leben noch nicht gehabt. Eine gute Suppe, Fleisch im Überfluß, so viel sie davon genießen wollten, und was für ein herrliches Fleisch, und Kaffee mit Zucker und Weißbrod, ja sogar eine Flasche Wein ließ sich der junge Mann geben, der ihn dort hineingebracht und der viel anständiger aussah als Herr Meier, bei dem Auswanderungsagenten daheim – und schenkte Behrens ein großes Glas davon ein.
Es war jedenfalls ein neues Leben, das er damit begonnen hatte und wenn das so fort ging, konnte er recht wohl zufrieden damit sein. Trotzdem kam es ihm unheimlich bei den Fremden vor, denn wenn auch einzelne Leute in dem Haus deutsch miteinander sprachen, so unterhielten sie sich doch nur über Dinge, von denen er kein Wort verstand: von Schiffen, von Fracht und Ladung, von Havarie und anderen ähnlichen Sachen. Aber die Ruhe that ihm und den Seinen wohl, und wenn er sich auch nicht aus dem Haus hinausgetraute, weil er fürchtete, daß er den Rückweg nicht wieder finden würde, erfreute er sich der regelmäßigen Mahlzeiten und war sogar nicht böse darüber, als sie am nächsten Tag hörten, sie könnten noch nicht an Bord gehen, da das Schiff noch nicht ganz segelfertig sei, was ihren Aufenthalt in dem Wirthshaus um einige Tage verlängerte.
Es kam ihm wohl dabei einmal der Gedanke, daß er das, was er hier mit den Seinen bei seinem gar nicht selber verschuldeten Aufenthalt verzehrt habe, am Ende mit seiner Hände Arbeit würde wieder bezahlen müssen – aber er gab sich dem nicht lange hin. Sie waren einmal unterwegs, und jetzt mochte der liebe Gott weiter helfen.
Fünftes Capitel.
Auf See und an Land.
Am dritten Tag kam endlich ein Wagen vor die Thür, der ihre Sachen abholen sollte. Es standen schon eine Anzahl großer unbehülflicher Kisten darauf, wie sie die Deutschen gewöhnlich mit in ein fremdes Land schleppen, und dann, an Ort und Stelle angekommen, nicht wissen, was sie damit anfangen sollen. Dem Wagen folgten sie zu Fuß – Geld wurde ihnen dabei im Wirthshaus gar nicht abverlangt. Der junge Mann aus dem Geschäft kam nur wieder, ließ sich die Rechnung geben, dann begleitete er sie selber zu einem kleinen Dampfer, der bestimmt war sie an Bord ihres Schiffes zu bringen, das schon weiter unten im Strom, in der Schelde lag.
Von da an kamen sie eigentlich nicht mehr recht zu sich selbst; denn wie sie nur das breitere Wasser erreichten und das Schiff an zu schaukeln fing, waren sie kaum im Stande ihr Gepäck zurecht zu rücken und sich selber in ihrem Schlafplatz auf die ausgebreiteten Betten zu werfen. Dann wurden sie krank und behielten nichts als das Gefühl ihres Elends viele Tage lang.