Dem Contract selber sieht man das freilich nicht an, denn er lautet unverfänglich genug. Wer aber die Verhältnisse jenes Landes kennt, muß auch dem Auswanderer abrathen selbst diese scheinbaren Vortheile anzunehmen, weil sie nur eben scheinbar sind. Im günstigsten Fall ist er jeden Augenblick der Gefahr ausgesetzt daß die Indianer über sein Land brechen, ihm sein Vieh wegtreiben und seine Erndten zerstören und er darf dort weder für sein Eigenthum wie selbst für sein Leben Sicherheit erwarten.
Jeder Contract ist deshalb für den Auswanderer gefährlich, wenn er sich nicht vorher nach Allem erkundigt hat was das Land betrifft, und zwar bei Leuten, wie gesagt, die nicht wie der Auswanderungsagent ein specielles Interesse haben ihn nur auf ein Schiff zu packen, damit sie für seinen Kopf ihr bestimmtes Geld bekommen.
Außerdem warn' ich aber meine deutschen Landsleute noch ganz besonders vor dem Antwerpener Auswanderungs-Agenten, mit denen sie sich unter keiner Bedingung einlassen dürfen, wenn sie sich nicht der größten Gefahr aussetzen wollen.
Sind sie entschlossen auszuwandern, so bietet ihnen Bremen vor allen anderen Städten reelle Schiffsgelegenheit nach allen Welttheilen und neben Bremen Hamburg. Dort sind die Auswanderer noch auf deutschem Boden, unter deutschem Schutz und deutschen Regierungen ist es möglich ihre Einschiffung wie Beförderung zu überwachen, wie Betrügereien – die sie aber da wohl kaum zu fürchten haben – entgegenzutreten; in einem fremden Land dagegen, dessen Sprache sie nicht einmal verstehn – und sie sollen nicht etwa glauben daß in Antwerpen deutsch gesprochen wird – sind sie in den Händen der Agenten, und haben sich, was sie betrifft, selber zuzuschreiben.
Zum Schluß will ich aber noch hinzusetzen daß diese Erzählung nicht etwa den Zweck hat Auswanderer von einer Übersiedlung nach Brasilien selber abzuhalten. Nur in die nördlichen Distrikte dürfen sie nicht gehen, besonders nicht auf solche Theilcontracte hin. Süd-Brasilien dagegen, und vorzüglich die Provinzen Rio Grande do Sul, Santa Catharina und zum großen Theil auch Parana eignen sich ganz vortrefflich zur deutschen Auswanderung. Die dort angelegten, schon sehr bedeutenden deutschen Colonien befinden sich wohl, und die Deutschen selber ordnen sich dort keineswegs der verdorbenen Portugiesischen Raçe unter, sondern haben schon ein Übergewicht erlangt, das mit einer vermehrten Einwanderung dahin auch nur zunehmen muß.
Außerdem befinden sie sich in einem gesunden Klima und – für ihre weitere Entwicklung besonders günstig – am Atlantischen Ocean, der ihnen einen leichten und raschen Verkehr mit dem Mutterlande bietet. Und somit übergebe ich dem Leser diese Blätter und hoffe daß sie ihn in Manchem aufklären, ihn auf Manches aufmerksam machen werden, was später entweder ihm selber, oder Leuten die sich bei ihm einen Rath erholen, von Nutzen sein mag.
Der Verfasser.
Erstes Capitel.
Beim Schulmeister.
Draußen im Land ackerten die Knechte und waren die Tagelöhner emsig beschäftigt Kartoffeln zu legen, denn der Frühling hatte dieses Jahr lang auf sich warten lassen und eine hohe Schneedecke die Feldarbeiten bis zu einer ungewöhnlich späten Zeit hinausgeschoben. Jetzt endlich schien der kalte, strenge Nordost-Wind, der Monate lang geweht, seine Herrschaft verloren zu haben. Er sprang nach Südwesten um, warme Regen setzten ein, und wie mit einem Zauberschlag warf die Natur ihre starre Winterdecke ab, und kleidete sich in ein junges, frisches Grün.