Und wie die Lerchen jubelten, und die Bachstelzen, die bis jetzt achselzuckend an dem gefrornen Bach umhergetrippelt waren, auf einmal so geschäftig herüber und hinüber sprangen; was sich die Rothschwänzchen Alles zu erzählen hatten, und wie eilig die Staare ihre alten Bauplätze aufsuchten und herrichteten. – Aber die Menschen nicht minder, denn es galt sehr viel nachzuholen, und die Arbeit häufte sich so in der Zeit, daß Arbeitskräfte kaum genügend zu beschaffen waren.

Um so mehr mußte es auffallen, daß gerade heute Einer der fleißigsten und ordentlichsten Arbeiter, Behrens mit Namen, in seinem Sonntagsrock, den großen ausgeschnittenen Hut auf, langsam durch das Dorf ging, und gar nicht die Absicht zu haben schien, in die allgemeine Thätigkeit irgend wie mit einzugreifen.

Die Chaussee herunter, vom Feld herein, kam im Trab auf seinem alten Apfelschimmel der Rittergutspachter geritten. Er hatte draußen nach den Arbeitern gesehen, und war eben nur zurückgekommen, um noch auf dem Hofe selber einige nöthige Anordnungen zu treffen. Als er aber einen seiner Tagelöhner – oder sogenannte Häusler, weil sie kleine, dem Gut gehörige Häuser bewohnen, – in einem so ungewohnten Aufzug und müßig sah, zügelte er überrascht sein Pferd ein und rief ihn an.

»Hallo Behrens! – wo wollt Ihr denn hin? Ich glaubte, Ihr wäret krank, weil ich Euch nicht draußen bei den Knechten fand. Was soll denn das heißen? Warum seid Ihr nicht bei der Arbeit?«

»Ich werde hier wohl nicht mehr arbeiten, Herr Frommann,« sagte der Tagelöhner, indem er achtungsvoll den Hut zog und neben dem Reiter stehen blieb.

»Nicht mehr arbeiten?« rief der Pachter erstaunt. »Habt Ihr eine Erbschaft gemacht, Behrens, und seid Ihr ein reicher Mann geworden, daß Ihr ohne Arbeit leben könnt?«

»Ohne Arbeit möcht' ich gar nicht leben, Herr Frommann,« sagte der Mann freundlich, »wenn ich auch wirklich so viel Geld hätte, daß ich alle Tage Braten essen könnte, aber – da wir nicht einmal alle Tage satt Kartoffeln haben, so muß ich doch sehen wie ich das ändern kann, denn der Jammer daheim frißt mir das Herz ab.«

»Eure Frau ist noch krank?«

»Krank nicht mehr, Herr Frommann, Gott sei Dank, aber doch noch so schwach, daß sie auf Wochen, ja vielleicht auf Monate lang, nicht daran denken darf schwere Arbeit zu thun. Das Kleinste macht ihr ohnedies genug zu schaffen.«

»Und da versäumt Ihr auch noch Euren Tagelohn?«