Der Mann schwieg einen Augenblick. Er hatte augenscheinlich etwas auf den Lippen, was ihm schwer wurde auszusprechen, – endlich sagte er mit leiser Stimme: »Ich will nach Amerika, Herr Frommann.«

»Nach Amerika?« rief dieser erstaunt, »seid Ihr toll?«

»Nach Brasilien.«

»Nach Brasilien? Und mit Eurer ganzen Familie? Wo wollt Ihr das viele Geld dazu hernehmen?«

»Da haben Sie Recht, Herr Frommann,« nickte traurig der Mann, »wenn ich die Reise bezahlen müßte, käm' ich nicht einmal mit den Meinen in die nächste Seestadt, viel weniger über das weite Meer hinüber, – aber vorige Woche war ein Herr aus der Stadt hier, der uns versprochen hat daß wir frei hinübergeschafft werden sollen, und es nachher dort drüben abverdienen können. Da will ich es denn in Gottes Namen einmal versuchen – und auf der Reise erholt sich auch vielleicht meine Frau wieder, denn sie hat hier zu viel schaffen müssen und ist dadurch nur immer mehr herunter gekommen.«

Der Pachter schüttelte mit dem Kopf und während sein Pferd langsam auf der Straße hinging, schritt der Mann neben ihm her.

»Behrens, Behrens,« sagte er endlich, »ich fürchte, Ihr steht da im Begriff, einen recht raschen und unüberlegten Schritt zu thun, denn hier zu Lande hört man nicht viel Gutes über solche Verträge, und wenn Ihr da drüben zwischen die Fremden kommt, deren Sprache Ihr nicht einmal kennt, so seid Ihr so gut wie verrathen und verkauft, und müßt Alles mit Euch geschehen lassen.«

»Wir haben aber einen Contract, Herr Frommann,« sagte der Arbeiter, indem er in die Tasche griff und ein Papier herausholte, »da steht Alles darauf und ich brauche ihn nur zu unterschreiben, und dann sollen wir uns um gar nichts mehr bekümmern, sondern werden frei hinüber in das Land geschafft, wo so herrlicher Boden ist, daß die kostbarsten Früchte draußen frei im Walde wachsen. Auch haben wir dort immer Sommer und so viel Holz, daß man sich holen kann was man mag, ohne einen rothen Heller dafür zu bezahlen. Mein Bruder ist ja auch seit langer Zeit dort hinübergegangen und hat mir schon vor zwei Jahren geschrieben ich sollte nur hinüber kommen, denn es ginge ihnen sehr gut, und er wollte mich dort schon einrichten. Ja, aber du lieber Gott, von unserem Tagelohn hier hätt' ich ja im ganzen Leben nicht das Reisegeld erschwingen können.«

»Und wo ist Euer Bruder?«

»In der Colonie Blumenau.«