Aber nahm ihr Contract denn gar kein Ende? – Zur Arbeit wurden sie täglich gerufen, aber nie ein Wort davon gesagt, wann ihre Zeit eigentlich abgelaufen sei, und Hannchen bekam jetzt den Auftrag, ihren Herrn zu fragen, wie sie mit ihrem Lohn ständen. Sie erhielt jedoch nur eine ausweichende Antwort und scheute sich die Sache zu drängen. Und noch ein Monat verging, und jetzt wurde der alte Behrens – etwas sehr Seltenes bei einem Deutschen – ungeduldig.

Wieder mußte Hannchen fragen und sollte sich jetzt an die Frau wenden, die immer gut und freundlich gegen sie gewesen; aber die Frau des Pflanzers wagte nicht sich in dessen Angelegenheiten zu mischen, – er war nicht gut mit ihr, wie Hannchen daheim erzählte, er schalt oft und zankte und behandelte sie rauh, – die Frau kränkelte auch und fürchtete jede Aufregung.

Da faßte sich Behrens eines Sonntags ein Herz, und mit seinem ältesten Jungen Fürchtegott, der die Landessprache jetzt vollkommen gut verstand, ging er selber zum Herrenhaus hinüber, um die Sache ins Reine zu bringen. Der Herr wollte ihn allerdings nicht vorlassen, er habe keine Zeit, wie er ihm durch eine Negerin heraussagen ließ. Behrens aber, einmal zu dem Entschluß gekommen, war nicht so leicht wieder davon abzubringen. Er ließ noch einmal hinein sagen, er müsse den Herrn sprechen, denn er habe ihm etwas Wichtiges mitzutheilen, und verdrießlich willfahrtete dieser endlich dem Arbeiter.

Fürchtegott war indessen vorher genau von seinem Vater instruirt worden, was er zu sagen hatte, und selber ein ziemlich anstelliger Junge, brachte er das auch richtig und ordentlich heraus. Das Gesicht des Senhor Almeira aber, das schon bei ihrem Eintritt finster genug ausgesehen hatte, wurde bei der Anrede nicht freundlicher, und als der junge Bursche geendet hatte, sagte er, während sich seine Stirn in düstere Falten legte:

»Und weiß Dein Vater auch, welche Summe ich für ihn und Euch Alle ausgelegt habe, daß er jetzt schon, wo er kaum ein Jahr oder etwas darüber in meinen Diensten ist, davon spricht, sie abgetragen zu haben? Weiß er, was für ein Risico ich gehabt habe, als ich Euch Alle aus Eurem Lande herauskommen ließ, wo Ihr das Brod kaum hattet zum Leben? Geht an Eure Arbeit und kümmert Euch um nichts weiter; wenn Eure Zeit um ist, werde ich's Euch selber wissen lassen.«

»Aber Senhor,« sagte der kleine Bursch, »wir haben ja doch Alle so viel geschafft, daß wir schon ein hübsches Stück Geld verdient haben müssen, wenn Sie nur ganz geringen Tagelohn annehmen.«

»Tagelohn?« rief aber der Brasilianer, »was habt Ihr mit Tagelohn zu thun? Euer Contract lautet auf Antheil an dem Verdienst, und die Kaffeepreise sind im letzten Jahre so erbärmlich schlecht gewesen, daß ich, da uns auch eine ganze Ladung draußen in See verunglückt ist, eher Verlust als Nutzen bei der ganzen Ernte gehabt habe. Wer ersetzt mir jetzt den? Ihr etwa? Wahrscheinlich nicht, und ich werde es schwer genug finden, nur das wieder aus Euch herauszubringen, was ich an Euch selber verloren.«

»Aber verloren haben Sie doch gewiß nichts an uns, Senhor!«

»Nichts, so? Wohl nicht die ganzen Unkosten, die mir der nichtsnutzige Bursch verursacht hat, der noch dazu jetzt weggelaufen ist. Glaubt Ihr, daß Ihr das Alles in ein paar Monaten wieder abverdienen könnt?«

»Aber, guter Gott,« rief der Knabe erschreckt aus, während der Vater dabei stand und doch nichts von der Rede verstand, »dafür, daß der fremde Mensch davon lief, können wir doch nicht leiden, und Sie werden doch gewiß nicht verlangen, daß wir die vielen, vielen Monate umsonst gearbeitet und Schuhe und Kleidung zerrissen haben sollen?«