»Aber doch der Mann der damals in den Bockgräben gefunden wurde – hat man nie erfahren wie er dahin gekommen, und wer er gewesen?«

»Nein,« sagt der große Ragg etwas zögernd – »er hatte auch schon zu lange gelegen und – war so zerfallen von dem Sturz die Wand 'nunter. Ist wahrscheinlich im Nebel verunglückt.«

»Der wurde damals gleich draußen begraben, nicht wahr?«

»Nein, ich hab' en 'nunter in's Kloster getragen,« sagte Jackel ruhig.

»Getragen? – auf den Schultern?«

»Auf der Kraxen, ja – oh er war nicht mehr so schwer denn er hatte schon seine acht oder neun Monat gelegen, aber« – setzte Jackel hinzu, und es schien doch, als ob ihm die Erinnerung schaudernd durch die Seele liefe – »'s war g'rad keine hübsche Ladung, und ich trag' Gemsen lieber.«

»Zwei Menschen sind doch auch wieder im letzten Jahr die Wand hineingefallen« sagt da der kleine Ragg, indem er die Augenbrauen so in die Höhe zieht, als ob er das, was er sagte, selber nicht glaube – »ein Mann und ein Mädchen.«

»Ein Mädchen?«

»Des Haßlich Tochter, von der hohen Alm. Sie schnitt Gras an einer steilen Lanne, unter der die Wand gerad hinunter sank, und hatte Steigeisen an den Füßen. Beim Bücken muß sie's aber versehen haben, sie kommt in's Fallen und kann sich nicht mehr halten. Ihr Bruder war dicht bei ihr, und wie er sie hinunter gleiten sieht, mit ein paar Sätzen bei ihr. Ehe er aber den Rock fassen kann, und dicht unter seiner Hand hin schießt sie fort – es war gerade schrecklich tief wo sie fiel.«